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Von der Normandie bis Portugal die Atlantikküste entlang – September und Oktober 2010

2 Nov

Über Fordy, unser neues Campingauto

Eines Tages Anfang Juni 2010 fuhren wir von Wien nach Stillfried. Am Rand von Strasshof war ein Platz der von ein paar wacklerten Zäunen umgeben ist und dort stand er: ein Ford Transit –Kastenwagen Baujahr 2003. Mit extra langer Ladefläche. Über eine Handynummer erreichten wir den Verkäufer. Der Preis entsprach unseren finanziellen Vorstellungen (Walter hat nächtelang im Internet recherchiert). Unser neuer „Fordy“ bekam problemlos das heißersehnte „Pickerl“, nachdem wir einige Reparaturen machen ließen (Reifen, Bremsen…).

Der  Vorteil gegenüber unserem alten Campingwagen, dem Nissan Trade, ist der größere Wohnraum (sprich, der Platz, der abseits der Betten zum Wohnen bleibt). Die 1.75 m2 sind geradezu luxuriös  im Vergleich zu den 0,75 m2 alten Wohnraum. Wenn wir Kater Fritz früher auf unseren Reisen mit hatten, wurde er wegen Platzmangels entweder auf das Bett oder unter das Bett verscheucht (meist ging er von selbst auf dem ihm zugewiesenen Platz).

Leider sind wir beide nicht mehr so beweglich wie die Affen, und ich lege gerne meine Beine hoch oder schlafe ein Stündchen am Nachmittag. Das war bisher im Campy  nicht  möglich. Bei Schönwetter kein Problem. Ich nahm meinen Liegestuhl und schlief vor der Tür. Strecksessel vor die Tür stellen heißt aber campen …. und wild campen ist in Mitteleuropa nicht erlaubt, und in Deutschland kommt spätestens nach 5 Minuten ein Wächter, der einem vertreibt oder mit der Polizei droht.( Parken darf man hingegen überall, und was man in seinem Auto macht, geht niemanden etwas an.)

Positive  Überraschung: der alte Besitzer des Ford Transit war ein Pedant. Das Auto hat weder einen Rostfleck noch eine Unfalldelle. Wir entfernten die Innenverkleidung  und fanden darunter einen völlig unversehrten glänzenden Originallack. Wir isolierten den Innenraum  inklusive Boden mit Styropor, darüber kamen Schaumisolationsplatten, die an einer Seite mit Silberfolie beschichtet sind (damit sich das Auto nicht so aufheizt). Die Abdeckplatten waren leicht zu montieren.

Beim „Bauhaus“ haben wir ein neues Holz entdeckt: geleimte Holzplatten  aus chinesischen Leichtholz,  federleicht im Vergleich zu herkömmlichen Platten. Das Holz zersplittert nicht, wenn man dicke Schrauben hineindreht und ist auch ungestrichen feuchtigkeitsunempfindlich.   Das Holz ist so leicht, daß ich die leere Küchenzeile mit einer Hand leicht aufheben konnte. Große Neuerung im Innenraum: ein Bett bleibt immerzu offen, während das zweite  Bett bei Tag eine bequeme Sitzbank bleibt. Auf einem Tisch zwischen den Betten kann man bequem essen oder den (kleinen) Laptop  aufstellen.

Oberhalb von meinem Bett montierte Walter eine Leselampe. Ich habe Schlafstörungen, und zwischen 3 und 6 Uhr in der Früh kann ich jetzt lesen… bis ich wieder einschlafe… ohne Walter zu stören. Walter hat ca. 200 Meter Kabel verlegt. Wir haben 2 Solarpanelen am Dach und die speisen zwei  40 kg schwere Gelbatterien. Eine Diesel Standheizung sorgt bei kühlen  Außentemperaturen für ein warmes Auto.

Ich will mein Gepäck noch einmal reduzieren, aber im Laufe der Jahre ändert sich das Gepäck. Der kleine Laptop braucht einen sicheren Platz, meine Bücher sollten nicht im Laufe der Nacht in mein Bett fallen, und ein Plätzchen für Schmutzwäsche ist von Vorteil. Meine Apotheke wird ( leider) immer größer. und ein Blutdruckmessgerät muß auch mit.

Der  neuer „Fordy“  wurde wieder dunkelblau – halbmatt gestrichen – auf keinen Fall schön lackiert, sondern mit einer Rolle so gestrichen, daß das Auto  von außen arm aussah. Nur wer kein Geld hat, streicht sich sein Auto selber, und so sieht man jede Fliege die man mitgestrichen hat und jedes Blättchen, welches der Wind auf das Auto geblasen hat. Auf das fertig gestrichene Auto kam die Folie mit der Aufschrift „MESSWAGEN 2“. Wir wollen ja weiterhin möglichst unauffällig durch die Gegend fahren und vor allem ungestört und unentdeckt  in der „Oberpampa“ schlafen.

Unser neues Campingauto hat ein paar Pferdestärken mehr in seinem Bauch. Das erleichtert das Überholen. Das Auto wiegt vollgepackt inklusive Wasser und vollen Tank  3200 kg … sogar wenn ich drinnen sitze. Für uns ist somit eine Gewichtskontrolle kein Problem.

Wir wählten die Atlantikküste als Reiseziel, denn im Westen geht die Sonne später unter. Wir waren recht spät dran mit unserer Reise, der Umbau dauerte fast 2 ½ Monate.

Die Reise beginnt

Am 7.September 2010 war es endlich soweit. Wir stiegen erwartungsvoll in unser „neues“ Campingauto. Wir fuhren in Richtung  Normandie.

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