Sahara-Sahara (Marokko im Jänner, Februar, März 2007)

2 Apr

Für alle, die es noch nicht wissen: Walter und ich fahren seit der Pensionierung mit unserem CAMPY durch die Welt. Campy ist ein Nissan-Trade und war Walters letztes „Arbeitsauto“. Er hatte damit als Baumeister seine Arbeiter und Materialien transportiert. Der Kastenwagen wurde von Walter zu einem Campingauto umgebaut, wo man gut schlafen und kochen kann. Von 2 großen Solarpanelen am Dach und 4 Batterien haben wir genug Strom für unseren 60 L Eiskasten , die Heizung ist eine Diesel-Standheizung. Unser Trinkwassertank fasst 140 Liter , der Dieseltank 120 Liter. In einer normal großen Abwasch kann man bequem „ duschen“ oder Geschirr waschen . Wir können zu jeder Tag und Nachtzeit binnen Minuten weiterfahren, um eventuellen Gefahren schnell auszuweichen. Unser Campy ist unauffällig wie ein Lieferwagen und innen ist er gerade so groß wie unser Badezimmer in Stillfried. Wir führten einen kleinen Anhänger mit , weil wir für Kater Fritz für 3 Monate 90 kleine Futterdosen brauchten, ebenso Katzenstreu und Trockenfutter. Da es meine zweite dreimonatige Reise nach Marokko war, wusste ich, dass ich für 3 Monate Klopapier, Küchenrolle und Papiertaschentücher einpacken musste. Ich hatte 3 Nutzwassertanks im Campy die ich bei jeder Gelegenheit auffüllte. In den Anhänger packten wir Lebensmittel und konnten gut frische Früchte und Gemüse verstauen.

Ich werde oft gefragt, was ich in der Sahara suche … man sucht nichts in der Sahara … man wartet … Ich habe gelernt zu warten und daher wurden alle meine Erwartungen erfüllt.

Nun zum Beginn unserer Reise. Weihnachten 2006 haben wir in Stillfried mit der ganzen Familie gefeiert und am Tag danach landete der abgeräumte Christbaum schon im Garten und unsere lange Reise nach Süd- Marokko( Westsahara) begann.

In Frankreich im Jura Gebirge war ein so beängstigender dichter Nebel, dass ich zweifelte ob wir ein Schlafplätzchen finden würden . So parkten wir hinter einen Lastwagen. Am nächsten Tag stellte sich heraus, dass der Lastwagen nur aus einem Anhänger bestand und wir uns durch Zufall auf der richtigen Strasse befanden.

Wir fuhren bis nach GIBRALTAR in das wir 2 x einwanderten . Gibraltar ist so klein, dass man nur hineinwandern kann. Dort kauften wir 4 Stangen Zigaretten um 1,50 € das Päckchen Marlborough – ein ideales Bestechungsmittel.

Im Algeciras wo die Fähre nach Tanga einläuft , gibt es einen LIDL. Jeder Camper kauft dort die letzten Lebensmittel vor der Überfahrt. Ich sah wie ein Deutscher Camper 120 Liter Tetrapack – Rotwein einlud. ( In Marokko ist Alkoholverbot) Walter fragte , ob denn der Wein so gut ist. Die Frau ließ Walter kosten und so kauften wir auch 2 Kartons zu 12 Liter. Dieser Tetrapack- Rotwein ,der 50 Cent pro Liter gekostet hat, half mir oft und oft beim Einschlafen., ging problemlos durch den Zoll und war einfach zu verstauen.

Zu Sylvester hatte ich ein besonders schönes Erlebnis bei einer Tankstelle . Die Dusche war nicht abgesperrt und ich konnte ohne die üblichen 2 € ordentlich und heiß duschen.

Der Norden von Marokko war feucht und nebelig . Es wächst dort das wunderbare Gemüse, welches nach Europa exportiert wird .

Wir fuhren weiter und sahen dass 30 km nach ESSAOURIA direkt an der Atlantik- Küste ein sehr primitiver billiger Campingplatz war . Dort lagerten bereits Engländer und Deutsche der heutigen Hippie-Generation mit ihren zahlreichen Kindern in sehr wackeligen ausrangierten „Wohnautobussen“. Gekocht wurde im Freien auf Holz welches man in der Umgebung sammelte. Das Lagerfeuer diente zum Aufwärmen, weil im Jänner war es am Atlantik schon ab Nachmittag empfindlich kalt. Als Beleuchtung in den Autobussen wurde eine Kerze angezündet. Es gab nur schmutziges Wasser aus einem Ziehbrunnen. Die Kleinkinder liefen ohne Hosen und Windeln herum und die Nachtwäsche wurde an langen Stricken gelüftet. Die Kinder liefen bloßfüßig und mit ihnen eine Horde wilder Hunde, deren Notdurft überall verstreut herumlag. Ich sah ein putziges kleines Mädchen mit einem ca 2 € großen Blutschwamm an der Schläfe. Jedes mal wenn sie hinfiel befürchtete ich dass sie sich diesen Blutschwamm aufstoßen könnte ….Es gab auch Schulkinder. Ich fragte, ob die Ferien hätten. Nein hatten sie nicht, die Eltern haben ihre Kinder aus der Schule genommen, weil sie meinten man lernt nicht in der Schule, sondern „im Leben“.

Eine Deutsche Frau die mit ihren Kindern in einem Zelt schlief , ließ ihre Schulmädchen splitternackt am Strand herumlaufen ( in einem Moslemischen Land )

Die klassischen Hippies hatte noch reiche Eltern , gegen deren Establishment es zu revoltieren galt. Die heutige „Hippiegeneration“ sind arbeitslose Landstreicher , und zum Protestieren gibt es auch nichts mehr, weil schon deren Eltern gegen das Establishment waren.

Da es kein Ort zum Verweilen war zogen wir weiter nach AGADIR

Agadir, oh Agadir ……. was ist aus Dir geworden????

Ca 20 km vor Agadir in Taghazoute war einst ein Campertreff welches einmalig war. Hier standen tausend Camper auf einer Felsplatte die direkt am Atlantik lag. Es war der internationale Campertreff für Leute die den europäischen Winter gegen das warme marokkanische Klima tauschten. Vor 2 Jahren war dort noch „ high life“. Im April 2005 wurden die Camper „ verjagt“ ,Bulldozer kamen und haben tiefe Gräben gezogen . Es wurden überall Verbotstafeln aufgestellt. Vom Staat wurde eine Wasserleitung an die Atlantikküste verlegt und Grundstückshaie versuchten sich die fetteste Beute herauszureißen. Eine Phantasie- Hotellandschaft sollte entstehen, genauso luxuriös wie in Dubai , in Antalya in der Türkei oder Hurgada in Ägypten . Nur haben die marokkanischen Grundstück-Clans übersehen dass selbst diese mit viel Werbung hochgejubelten Urlaubsparadiese ums Überleben kämpfen , und empfindlich abhängig sind von Europas „Wohlstand“ .

Heute schaut die „Platte“ so aus: einige Off- Roader haben den Graben niedergefahren , der immerwährende Wind hatte den Graben mit Treibsand gefüllt und ansonsten ist dort die totale Wüste. Der abgestellte Bulldozer rostete traurig vor sich hin , es wurde nicht einmal ein einziger Grundstein für die neue phantasy-Landschaft binnen 2 Jahre gelegt ……

Das nahe Dorf ist leergefegt wie nach einem Orkan. Die Wäscherei hat keine Kunden mehr, der Honigmann bleibt auf seinem Honig sitzen, der Fischer hat keine Einnahmen mehr, ebenso der Bäcker, die Gemüsehändler die ihre Früchte per Esel zu den Kunden gebracht hatten verloren ihre Lebensgrundlage …….

30 km nördlich wurde ein überdimensionaler Campingplatz mitten im Nichts gebaut , der einem Ghetto für Europäer entspricht. Der Platz ist 3 km weit entfernt vom Meer und von einer hohen Mauer umgeben. Dort gibt es eine „ Fischboutique“ , einen Souvenirladen, eine Wäscherei …. alles fest in der Hand der reichen Familien. Dementsprechend teuer ist der Platz, für uns nicht mehr leistbar.

Sehr enttäuscht fuhren wir weiter in Richtung Agadir-Stadtmitte , wo wir etliche Hotelbauten entdeckten, die immer noch ( seit 2 Jahren) über den Roh-Beton-Bau nicht hinausgekommen waren. Ich sah keinen einzigen Arbeiter, aber viele verrostete Geräte.

Vielleicht denken die Marokkanischen Manager, dass die 10000 Camper die zwangsläufig durch Agadir fahren in ihren Hotels absteigen ???

In Agadir ist im Umkreis von 100 km Camperverbot!!! Wenn man einkaufen will muss man saftige Parkgebühr bezahlen, mit einem Wort ein Ort an dem man sich besser nicht mehr aufhaltet.

Wir sind von der Hauptstrasse weggefahren und haben gut hinter der Mauer einer Gemüsecooperation geschlafen. Mit Campy kann man sich gut verstecken, weil er wie ein Lieferwagen ausschaut. In der Früh hörte ich das Getrappel von Eseln vollgepackt mit frischem Gemüse.

Ich war schon etwas „ reisemüde“ nach den vielen Kilometern die wir gefahren sind.

In SIDI – IFNI kannten wir eine schöne Karavanserei die direkt am Atlantik lag.

Dort sind die Preise moderat , der Platz ist sauber und man kann warm duschen. In SIDI IFNI fand ich etwas Ruhe und ein Internet-shop. Ich kaufte am Markt Berge frisches Gemüse und Obst, Walter ging um 3,50 € zum Friseur. Wir ließen beim Campy einen Ölwechsel machen: der kostete 35 € inklusive 8 Liter feinstes Motoröl. In diesem idyllischen Ort fanden wir einen Tapezierer, der uns nach Maß herrliche neue Schaumstoffmatratzen zuschnitt, die mit einem dicken Baumwollstoff überzogen wurden. Diese bequemen Matratzen ermöglichten mir nach so manchen aufregenden Tag entspannten Schlaf.

In SIDI IFNI hatte ich einen Stromanschluss. So kochte ich mit dem kleinen Elektrokocher schon für die nächsten Tage vor. Ich habe das fertige Essen heiß in Schraubgläser abgefüllt und dann in den Eiskasten gestellt und das Essen hielt sich sehr lange gut und frisch!!!

In Sidi Ifni in der Caravanserei traf ich 2 junge Leute aus Kanada , die sich in Marokko gute Peugeot-Mopeds gekauft hatten . Mopeds muss man dort nicht anmelden. Die 2 Kanadier sind mit Moped und Zelt durch Marokko gefahren. Leider traf ich sie nicht mehr wieder.

Eine Französin hatte einen Hund, der immer eine rote ( Kinder)Sonnenbrille getragen hat.

Ich fragte sie ob der Hund die Sonnenbrille aus modischen Gründen getragen hat – NEIN der Hund war „ schneeblind“ und vertrug keine Sonne !!!!

Von SIDI –IFNI fuhren wir weiter nach BOU- JERIF wo die Sahara beginnt.

Im Internet schauten wir uns die Fahrbedingungen an. Wir wussten, dass wir ein gutes Stück Buckelpiste fahren mussten. Die Piste war schmal, aber es gab Ausweichmöglichkeiten. Es bestand nie die Gefahr von der Piste abzukommen, weil es am Rand Steinhäufchen gab die den Weg markierten. An den Kreuzungen gab es große Wegweiser.

Wenn man auf einer Piste fahrt muss man drauf achten, dass im Campy alles gut angebunden und fest verpackt ist, sonst erlebt man böse Überraschungen …..Der Weg hat sich gelohnt :

In Bou- Jerif baute vor Jahren ein Franzose eine gut organisierte Caravanserei für sanften Tourismus. Es gab genug( leicht salziges) Wasser, welches per Dieselaggregat hochgepumpt wurde. Die Warmwasserduschen liefen über Solarpanelen, und die europäischen W C `s haben wir sehr geschätzt, weil wir beide unsere erste Durchfallattacke hatten.

Das Camp war auch für Jugendliche geeignet oder Rucksacktouristen. Die schliefen auf Schaumstoffmatratzen in alten Beduinenzelten. Für begüterte Gäste gab es ein Hotel mit Restaurant und für Camper viel Platz. Am Abend gab es sogar Strom. Mich hat das Camp erinnert an „Malea lea lodge“ in Lesotho , mit gepflegten Blumenbeeten und Bäumen .

Wir machten uns gleich am nächsten Tag auf den ( steinigen) Weg zum FORT der FREMDENLEGIONÄRE : Der Anblick des Forts war überwältigend. Vor unseren Augen stand eine riesige Festung mitten in einer wüstenähnlichen Landschaft. Eine Gedenktafel erinnerte daran dass die letzten Kämpfe 1944 stattgefunden hatten. Hier kämpften die Franzosen gegen die Spanier um die Vorherrschaft der Westsahara!!!

Walter erklärte mir, dass bestimmte Festungsteile schon vor dem II .Weltkrieg gebaut wurden.

Hinter der Festung war ein kleiner Fluss der zur Wasserversorgung diente . Im tiefen Brunnen des Fort war immer noch Wasser. Sehr beeindruckend war die Befestigung um den Brunnen und die langen Kamel und Pferdetränken. In den riesigen Mauern sah man noch die Einschusslöcher. Das Baumaterial bestand aus Steinen der Umgebung die mit einem Lehm-Dung-Gemisch verbunden wurden. Beeindruckend die runden Torbögen.

Um den nahen Fluss war etwas Vegetation aber ansonsten bestand die Landschaft aus steinigen Hügeln und da drauf wuchsen massenweise kleine kugelige Kakteen. Wie üblich in der Sahara wehte ununterbrochen ein kräftiger Wind, der immer Sand mitbringt. Wir hatten unseren Turban fest um den Kopf geschlungen, der uns nicht nur vor der starken Sonne sondern auch vor dem feinen Sandgebläse schützte.

Am nächsten Morgen stapften wir zu einem Wachturm hinauf. Von dort hatte man einen kilometerweiten Ausblick. An dem aufgewirbelten Staub konnte man sehr gut erkennen, wer sich der Festung näherte. Viele Wachpunkte durchzogen die öde Landschaft. Jeder Wachturm hatte seinen eigenen Brunnen der immerzu aufgefüllt wurde mit Flusswasser welches Esel in ununterbrochener Arbeit hinaufschleppten.

Am Fluss, der ganz wenig Wasser führte konnte ich sehr hübsche Vögel beobachten . Ich scheuchte einen Wüstenhasen auf , den ich wegen seiner übergroßen Ohren fast mit einem Wüstenfuchs verwechselte. Erst als der erschrockene Hase davon hoppelte wusste ich dass es sich um einen Hasen handelte.

Nach einer kühlen Nacht fuhren wir weiter in Richtung Atlantik nach PLAGE -BLANCHE

Eine asphaltierte Strasse führte nach Plage Blanche. Dort befand sich ein Militär-Marine Stützpunkt.

Der romantische Namen rührte von den riesigen Sand -Dünen her, die der Atlantik in immerwährendem Sturm angeblasen hatte. Plage blanche war eine Lagune die ihr Landschaftsbild durch einen einmündenden Fluss ununterbrochen veränderte. Der Unterschied von Ebbe und Flut war enorm und die Flussvegetation recht üppig, obwohl der Fluss auch etwas salzig war. Wir stellten Campy auf harten, festen Boden ab und machten gleich einen ausgedehnten Spaziergang .Wir sahen riesige Stelzenvögel, Heuschrecken , Eichhörnchen und viele Gelsen begleiteten uns .Als ich mit meinem Fernrohr die Umgebung betrachtete, entdeckte ich am Horizont ein Beduinen- Camp.

Ich wollte unbedingt echte BEDIUNEN kennen lernen ( keine Touristennomaden!!) und so WARTETE ich und hoffte auf eine gute Gelegenheit.

Plötzlich tauchten 3 Mädchen auf, die mir 10 Eier verkauften. Ich bat die Mädchen höflich zu warten und suchte aus den Taschen die wir am Dach gelagert hatten , Kleidungsstücke für die Mädchen die wir für sie aus Europa mitgenommen hatten. Die Freude war groß und ENDLICH kam die ersehnte Einladung in ihr „ Haus“ .Ich wunderte mich, wieso die Mädchen so gut französisch sprachen ….. aber das sollte ich bald herausfinden.

Walter wollte nicht mitkommen, weil er fühlte sich nicht so recht wohl.

So stapfte ich alleine in Richtung „Kral“ .

Ein Kral ist eine windschiefe Baracke oder besser ein Bretterverhau mit Plastikdach im Falle es regnet. Früher hausten die Nomaden in schwarzen Zelten aus Tierhaaren gewebt, die Schutz vor Sonne, Sturm und Kälte boten. Am Boden lagen Teppiche ( eben Nomadenteppiche ) die einem Zelt einen gewissen Luxus verliehen.

Den Kral den ich besuchte bestand aus einer „Küche“ wo meist die älteste Tochter auf einem Gasherd( mit Backrohr für Brot ) für die ganze Familie kochte. Dann gab es ein „ Wohnhaus“ in dem am Abend die Schlafmatratzen aus Schaumgummi ausgebreitet wurden. Die Decken lagen auf den gestapelten Matratzen hoch aufgeschichtet. Am Boden lagen Plastikteppiche. Es war sehr dunkel, damit im Sommer die Hitze besser zu ertragen ist.

Ich sah noch ein paar Hühner, Schafbabys einige Ziegen und den Esel als Transporttier .

Ich wurde gleich von der Mutter in das Hauptzelt gebeten. Natürlich gab es dort keine Sessel oder gar einen Tisch. Ich hatte Schwierigkeiten mich ohne Lehne hinzuhocken und so kniete ich mich einfach am Boden, was die Beduinen gar nicht verstehen konnten. So bot man mir einen Polster an auf den ich lehnen konnte…. was mir nicht gut gelang.

Die Mutter bereitete sofort Tee zu: auf einer Tonschale mit glühenden Holzkohlen wurde in einer kleinen Blechteekanne Wasser gekocht. Da hinein kam eine Briese grüner Tee und sehr viel Zucker, anschließend wurde der picksüße Tee in kleine Gläser geleert.

Die Mutter ist ca 40 Jahre alt und hatte gerade ihr achtes (!!!) Baby am Rücken gebunden.

Die Mutter konnte nicht Französisch sprechen, das 13 jährige Mädchen übersetzte.

Ich habe das Baby nicht gesehen , es war mit einem Tuch zugedeckt, anscheinend um es vor den bösen Blicken zu schützten. Ich habe die ganze Zeit nicht gesehen dass das 3 Monate alte Baby gewickelt wurde. Es hat von Zeit zu Zeit geweint, aber die Mutter hat es nur herumgeschaukelt bis es wieder ruhig war.

Die Mutter hockte die ganze Zeit am Boden und wenn sie ihren Kindern etwas gesagt hat, folgten die sofort. Die Mutter hat sehr viel älter ausgeschaut, sie war ausgemergelt und hatte kaum noch Zähne im Mund.

Im Kral lebte noch eine größere Tochter( 23 Jahre noch nicht verheiratet) die die Küche versorgte, ein 13 jähriges Mädchen , ein sehr intelligenter 5jähriger Bub, ein 10 jähriger Bub, dann noch ein 12 jähriges Mädchen.

Die Kinder waren alle hübsch , aber in keiner Weise „ sauber“ . Aber Sauberkeit hängt eben mit Wasser zusammen und das ist dort Mangelware. Die Schneidezähne der ältesten Tochter waren schon kaputt und die kleineren Kinder zeigten mir ihre von Karies total zerfressenen Backenzähne. Die Kleider wurde auf einem Strick zum Trocknen gehängt. Ich hätte gerne gewusst, wie man die Babyhygiene ohne Wasser schafft. Von dem 13 jährigen Mädchen erfuhr ich, wie die Familie funktionierte. Der Vater war mit den älteren Buben und den Tieren unterwegs. ( Ziegen, Schafe und Kamele) Die Herden waren oft wochenlang unterwegs , der Vater und die Buben schliefen in „Hütten“ die sie entweder selber bauten oder die schon vorhanden waren. Die Tiere mussten nicht nur grasen, sondern auch zu Wasserstellen geführt werden.

Die Kinder, die bei der Mutter blieben, gingen alle in die Schule und waren außergewöhnlich wissbegierig und intelligent. Die Schule befand sich unweit der Marinestation und war ein Betonblock . Die Lehrerin kommt nach „ Bedarf“ , also wenn Nomadenkinder in plage blanche sind. Die medizinische Grundversorgung ist gewährleistet, sowohl von der Marinestation wie auch durch die Schule.

Die Kinder stellten mir 10000 Fragen , die ich versuchte so gut wie möglich zu beantworten. Zunächst fragen sie wie viel Geld man in Europa verdient oder in meinem Fall als Pensionist zur Verfügung hat. Sicherlich ist die Summe für sie unvorstellbar hoch, aber sie haben alle keine Ahnung von den hohen Lebenshaltungskosten. Kein Nomadenkind kann sich einen europäischen Winter mit Schnee und hartem Frost vorstellen, wo man einfach erfriert wenn man kein Heizmaterial hat. Die Kinder können auch nicht verstehen, dass das Wasser einfriert und die Häuser unterkellert und wärmegedichtet sein müssen , sonst kann man gar nicht überleben.

Das 13 jährige Mädchen korrigierte mein Französisch , was ich nett fand und mich auch für die Mühe bedankte.

Als die Dämmerung hereinbrach ging ich zurück zum Campy. Die älteste Tochter hat mir als „ Abschiedsgeschenk“ ein frisch gebackenes Brot mit auf dem Weg gegeben.

Als ich beim Campy angekommen bin , lag Walter bereits im Bett, was mich sehr beunruhigte…..

Walter bekam in dieser einen Nacht einen derartigen Durchfall, wie ich es nie, nie während meiner 30 jährigen Tätigkeit im Krankenhaus erlebt hatte!!!! Er war binnen Stunden so kraftlos, dass er nicht einmal mehr diese 2 Schritte vom Bett zum Camping-WC schaffte. Ich suchte alle meine Medikamente die ich für solche Situationen immer mit hatte. Es nützte nichts , der Durchfall wurde immer ärger. Ich kochte Wasser ab, gab Zucker und Salz hinein damit der Elektrolythaushalt nicht aus den Fugen gerät. Die Nacht war für uns beide ein Alptraum.

Am nächsten Morgen war Walter so geschwächt, dass er kaum mehr aufstehen konnte. Gott sei Dank hatte Walter kein Fieber : es konnte keine schwerwiegende Infektion sein.

Plötzlich hat Walter im Schwall erbrochen . Jetzt wurde mir klar, dass Walter seinen schweren Durchfall von den Rosinen bekommen hat, die er am Markt gekauft hatte. Ich mag keine Rosinen, weil sie mir einfach nicht schmecken, auch wenn sie groß sind und nach Honig riechen. Das war mein großes Glück . Ich will gar nicht daran denken, wenn wir beide so krank gewesen wären. Die Rosinen müssen in Walters Magen gegoren haben, wer weiß mit welchen Giften die Trauben gespritzt wurden.

Walter verfiel in einen Tiefschlaf . Ich fütterte Walter mit Medikamenten und Vitamin-Elektrolyttabletten und gab ihm mein Zuckerwasser mit Salz zum Trinken.

Ich sammelte die schmutzige Wäsche und ging hinunter zum ( salzhaltigen ) Fluss in der Lagune. Ich befestigte eine Schnur an einem Kübel und schöpfte so Wasser. Mit Flüssigwaschmittel wurde die Wäsche schön sauber. Der starke Wüstensturm trocknete meine Wäsche schnell. Ich schleppte noch 2 Kübel Wasser zum Campy, wollte ich doch noch den Boden sauber wischen. Am Weg zurück kam mir das 13 jährige Beduinenmädchen entgegen und fragte mich wieso wir denn noch in Plage Blanche wären. Ich erzählte ihr dass es Walter so schlecht ging.

Gegen Abend klopfte es und eine leise Stimme rief mich : Madame s`il vous plait….

Ich öffnete den Campy und vor mir stand ein Wachposten der Marine ( zur Sicherung der Grenzen ) Der Mann schrieb mir die Telephonnummer vom Krankenhaus in Guelmim auf. (Diese Klinik war 65 Kilometer von Plage Blanche entfernt) . Die könnten Walter mit einem Ambulanzwagen abholen, wenn er transportfähig wäre. Das Nomadenmädchen hatte den Wachposten gesagt, dass ich Hilfe brauchte!!!!

Im selben Moment sah ich über der Sahara einen „ eckigen“ Regenbogen aufsteigen. ( runde Regenbogen gibt es dort nicht) Regenbogen sind äußerst selten. Ich sagte zu dem Marinewachposten :“ Gott schickt einen Regenbogen in die Sahara , jetzt wird alles wieder gut“ Der Mann antwortete „ Allah verlässt einem nie“ Wir beide hatten die gleichen Gefühle, wir beide vertrauten dem einzigen Gott- so einfach geht das !!!!!

Ich korrespondierte mit meiner Tochter Olivia mittels SMS und fragte sie, wie ich Walter wieder gesund bekommen könnte mit den Lebensmitteln die ich zur Verfügung hatte. Sie baute mich sehr auf und sagte je weniger Walter isst um so besser kann der Darm seine Energie zur Selbstheilung aufwenden.

Am nächsten Morgen konnte Walter bereits aufstehen um sich zu rasieren.

Ich war die ganze Nacht auf und habe Walters Atemzüge beobachtet. Er schlief tief und fest. Ein interessantes Buch hat mir in diesen besorgten Stunden geholfen. Ich habe zu Weihnachten das Buch: „Witwe im Wahn“ …. eine ganz neue Biographie von Alma Mahler-Werfel geschenkt bekommen . Das Buch hatte mich dermaßen gefesselt, dass ich gar nicht daran dachte einzuschlafen .Am nächsten Morgen machte ich Campy reisefertig und es klopfte wieder: das kleine Beduinenmädchen stand vor der Türe, wünschte Walter alles Gute und schenkte mir noch ein ganz frisches Brot. Sie dachte mir könnten die Lebensmittel ausgehen.

Als ich beim Fluss war um Wäsche zu waschen, begegnete ich einem Deutschen Camper der ganz verwundert über meine Tätigkeit war. Er fragte mich, ob ich denn alleine unterwegs sei.“ Nein“ antwortete ich „mein Mann ist sehr krank“ . Der Deutsche klagte dann wie groß seine Angst vor Darminfektionen sei , er wich förmlich von mir zurück als hätte ich die Pest!!! Oben beim Campy angekommen merkte ich dass er überstürzt wegfuhr….. aus dieser gottverlassenen Gegend ……

Ich werde oft gefragt, wie wir ein sicheres Schlafplätzchen finden

Wir stellen uns ganz selten auf Campingplätze, weil das würde unseren finanziellen Rahmen bei weitem sprengen.

Je unauffällig ein „ Campy“ ist, um so leichter findet man ein Schlafplätzchen . Man sieht erst auf den zweiten Blick dass unser Campy ein „Schlafwagen“ ist. Campy ist derzeit etwas rostig, ist er doch lange in der Sahara und am Atlantik gestanden. Jetzt wird Campy dunkelblau gestrichen , die 2 kleinen Fenster werden mit dunkelblauen Spanplatten von innen zugedeckt, Walter streicht sogar die Markise und die Aluminiumleiter dunkelblau.

Die metalliseefarbigen und strahlend weißen „Plastikbomber“ sieht man schon kilometerweit und das zieht die „Kontrollorgane“ oder die ewig bettelnden Buben an. „Luxuskarossen“ erwecken Neid und Missgunst. Für die Marokkaner ist jeder „Platikbomberbesitzer“ ein Millionär…. was auch stimmt…… Ich habe etliche Luxuskarossen gesehen die 200 000 € und mehr gekostet haben !!!!Diese fahrenden Schlösser sind auf Strom angewiesen, weil das WC funktioniert nur mit Luftdruck, das Solarbordnetz kann nie eine Klimaanlage speisen . Sehr einfach richtet sich die Satellitenschüssel vollautomatisch aus , aber wenn man am nächsten Tag seine Karosse nicht mehr starten kann, weil durch den langen Fersehfilm die Starterbatterie leer wurde , oder man nur mehr bei Kerzenlicht am Abend essen kann, dann sollte man wirklich nur von einem Campingplatz zum anderen fahren.

In Europa sind Campingplätze für Walter und mich unerschwinglich. Man zahlt mindestens 20 € pro Nacht, der übliche Preise ist bis zu 30 €, für einen Camper der Luxusklasse sicher kein Problem.

In Marokko spielt sich das so ab: Von den Besitzern von Luxuslinern wird erwartet, dass sie „Schutzgebühr“ bezahlen. Man kann z. B. sein Gefährt vor einem Hotel abstellen, wenn es keinen Campingplatz gibt. Binnen Minuten klopft jemand und fordert Gebühr. Geschützt ist man am Abend bestenfalls vor den ewig bettelnden Buben . Meist kommt dann in der Früh noch jemand und kassiert ebenfalls, vom „ Bakschisch“ will ich gar nicht reden. Alkohol wird gefordert oder Zigaretten. Und die bettelnden Buben stehen in der Früh auch vor der Türe, außer man zahlt noch weitere Schutzgebühr!!!

Wir müssen unser Geld sorgfältig einteilen. Wir brauchen ca 1000 € im Monat egal ob wir in Europa sind oder außerhalb Europas. Da ist inbegriffen die Fähre, die Autobahngebühren (wir meiden Autobahnen) der Diesel, natürlich das Essen (in Europa teuer, in Marokko billig, ebenso wie die Eintrittsgebühren für Museen etc….) Wir haben eine Krankenversicherung für die ganze Welt und immer etwas Geld bereit für besondere Zwischenfälle. ( wie Autoreparatur in Griechenland )

Wir sind mit unserem kleinen Campy ( Kastenwagen) völlig unabhängig und daher können wir uns überall gut verstecken.

In Europa ist das leicht, wir stehen gerne bei Friedhöfen, auf Picknickplätzen, zum Wochenende auf Parkplätzen von Bauhäusern, oder Baustellen , gerne stehen wir auf TIR Plätzen bei den Lastwagen, auf Wald- oder Feld – wegen, bei Weingärten…….Oberstes Gebot: wir bleiben NIE länger als eine Nacht auf einem Platz, wollen wir uns noch etwas anschauen suchen wir uns ein paar Kilometer weiter einen Schlafplatz.

In Marokko ist die Schlafplatzsuche schwieriger, weil der Marokkaner glaubt dass jeder Europäer ununterbrochen Euros zu verschenken hat, wenn man ihn penetrant genug anbettelt.

Man muss achten nicht zu nah von einem Ort zu stehen , sonst ist man binnen Minuten umringt von bettelnden Buben .Oft nützt das nichts, weil die Leute mitten in der Wüste aus dem Nichts auftauchen, man muss immer abfahrbereit sein.

Wir blieben gerne hinter einer Mauer stehen, weil die Schutz gegen den immerwährenden Sturm bot. Gut schlafen kann man bei Tankstellen. In diesem Fall haben uns die Zigaretten aus Gibraltar gute Dienste geleistet.

Bei dieser Reise habe ich einige besonders nette Schlafplatzgeschichten erlebt :

Mitten in der Sahara entdeckten wir eine kleine Oase. Wir fuhren an das Ende des Dorfes und dort befand sich ein Handymast der von einer Mauer umgeben war. Wir parkten hinter der Mauer. Am Abend fuhren zu diesem Platz einige Autos oder Mopeds. Die Leute stiegen aus und brüllten in ihr Handy. Ich schloss daraus, dass der Empfang im Dorf schlecht war. In einem kleinen rostigen Auto saß ein alter Mann mit einer jungen Frau und einem Kind. Der Mann brüllte ins Telephon . Währenddessen grüßte ich die Frau sehr höflich . Da sie Französisch sprach konnten wir uns recht nett unterhalten. Sie machte mich darauf aufmerksam, dass es einen Weg zur Quelle der Oase gibt , wo das Wasser sauber sein sollte. Anschließend warnte sie uns, dass es in der Nacht sehr kalt wird und lud uns ein bei ihr im Haus zu übernachten. Das wollten wir auf keinen Fall. Die gute Frau konnte ja nicht ahnen wie kuschelig warm unsere Dieselheizung ist , und wie warm und weich unsere Daunentuchenten. Ich sagte ich könnte Kater Fritz nicht alleine lassen und dass wir in Österreich kalte Nächte gewöhnt sind und wir gute Decken mithaben. ( unser Campy schaute von außen schon etwas heruntergekommen aus ) .

Die Dämmerung brach schnell herein und ich wollten unbedingt zur Quelle gehen um frisches ,sauberes Wasser in meinen Nutzwasserkanistern zu holen. Nachdem ich mir feste Schuhe angezogen hatte lief ich den steilen Weg zur Quelle. Als ich mit den vollen Kanistern wieder heraufgeschnauft kam, stand oben am Hügel ein Mann, der wild gestikulierte . Als ich mich ihm näherte machte er einen verzweifelten Eindruck. Leider war sein Französisch schlecht . Er sagte ich darf bei Dunkelheit nicht zur Quelle gehen , weil dorthin kommen die Dschins (das sind die bösen oder guten Geister die vor dem Islam ihren Ursprung hatten ) Der Mann machte dann eine eindeutige Geste, die nach „ abkrageln“ ausschaute ( Hals abschneiden ) Sicherlich sind die Dschins auch durstig . Ich schlief recht schlecht , weil ich mit einem Ohr auf jedes Geräusch lauschte. Es war vollkommen still. Am nächsten Morgen schickte ich sicherheitshalber Walter zur Quelle. Ihm ist aber nur eine Herde Ziegen begegnet, die frisches Wasser schlapperten.

Ein anderes Mal suchten wir uns mitten in der Sahara einen Schlafplatz. Soweit das Auge reichen konnte war nichts, absolut nichts, die Landschaft war vollkommen eben . Wir sahen nur eine einzige Dornakazien und unter die wollten wir uns verstecken. Ich wusste dass Dschins Dornakazien meiden . Es war Halbmond der uns verraten hatte. In der Sahara schien der Mond so stark, dass es hell war wie am Tag und unser derzeit noch hell gestrichener Campy hatte einen Schatten geworfen. Als ich am nächsten Tag die Türe öffnete stand schon ein Kamel davor. Der Nomade war daher nicht weit. Zuerst verlangte er nach Wasser, was ich ihm selbstverständlich gab ( obwohl er keine Flasche zum Auffüllen dabei hatte. Ich nahm an die hatte er vorsorglich versteckt ) Ich gab dem Nomaden noch Obst und Karotten. Er fragte ob ich ihm etwas zum Anziehen geben könnte….. ich hatte noch eine sehr schöne Jeans in meiner Vorratstasche mit Geschenken . Dann wollte der Mann noch Geld und das war mir doch etwas unheimlich und so fuhren wir binnen Minuten los.

Wir sahen einen weiteren Kamelhirten auf uns zukommen …..

Der Kamelmarkt von GUELMIM

Als sich Walter langsam von seiner Durchfallerkrankung erholt hatte sind wir weiter in Richtung Süden gefahren. Guelmim ist das Tor zur Sahara . Wir wurden gleich auf der Straße dorthin von Jugendlichen empfangen die Steine nach uns warfen. Vor Guelmim standen etliche Jugendliche mitten auf der Fahrbahn und winkten wie wild.. Wir dachten nicht daran stehen zu bleiben Ein Bursche sprang im letzten Moment zur Seite und hat dann den großen Stein, den er schon vorher in der Hand hielt auf unseren Campy geworfen. Campy ist aus Blech und nicht aus Plastik und daher hatte er nur eine Beule abbekommen. Die anderen Burschen haben sich dann an unserem kleinen Anhänger festgehalten und wollten auf diese Art und Weise mitfahren. Walter hat das rechtzeitig bemerkt und durch eine scharfe Bremsung sind die alle heruntergepurzelt wie die Maikäfer vom Baum.

Ich hatte schon ein flaues Gefühl im Magen , wollte aber meinen negativen Gefühlen zum Trotz doch am Kamelmarkt fahren. Von unserer letzten Marokkoreise wusste ich dass der Kamelmarkt DER Treffpunkt für Diebe, Keiler, Schlepper und Banditen ist.

Es dauerte nicht lange plapperte uns ein gut Deutsch sprechender Einheimischer an. Ich hörte zunächst gar nicht hin, aber er verscheuchte die bettelnden Kinder.

Dann erzählte er von einer Oase die 15 km entfernt sei und man kann gegen geringe Gebühr vor einem Hotel parken und ist durch eine Mauer geschützt .

Da ich noch nie in einer richtigen Oase war, zeigte ich mich interessiert.

Vorher wollte ich noch etwas Tee kaufen. Der Mann fuhr mit uns im Campy und zeigte mir in der Altstadt von Guelmim einen riesigen Teeladen, der nur chinesischen grünen Tee verkaufte. Ich hätte diesen Laden nie gefunden. Ich kaufte ein ½ kg Tee und bezahlte 5 €.

Als ich ein paar Tage später wieder hin fuhr bezahlte ich für den gleichen Tee nur mehr 3 €. Der Bandit hatte dem Teeverkäufer gesagt, er soll den Tee an mich um 5 € verkaufen ….. wobei er die 2 € Differenz als Schlepper kassierte!!! Diese Methode des Betruges kenne ich schon , aber ich ließ es trotzdem „geschehen“ aus einem mir zu dieser Zeit noch unerfindlichen Grund.

Es stellte sich heraus, dass die OASE nicht 15 km entfernt war , sondern 25 km . Vor dem Hotel angekommen verschwand der Betrüger blitzschnell aus gutem Grund: er hatte unsere neue LED –Taschenlampe gestohlen!!!

So saßen wir in einer Oase, vor uns ein Hotel und um uns eine Mauer!!! Der Preis für den Stellplatz war viel höher als versprochen!!

Walter war dermaßen „angefressen“ dass er sofort wegfahren wollte!!!

Ich ärgerte mich über mich selber, dass ich so naiv gewesen war, mich von einem Halunken beschwatzen zu lassen ….. ich starrte auf die Mauer und plötzlich bemerkte ich dass es keine Ziegelmauer war sondern eine Lehmmauer.

Ich bat Walter doch der Oase eine „Chance“ zu geben …… und es sollten die glücklichsten Stunden meiner gesamten Marokko Reise werden!!!!

Walter und ich spazierten sehr verdrossen ins Dorf….. und dann haben wir uns verirrt und kamen immer tiefer in das Gewirr der Kanäle und Felder die alle mit steinalten Lehmmauern umgeben waren ( als Schutz vor den Tieren ) Zu meiner Verblüffung stellte ich fest, dass die Oase in ihrer Ursprünglichkeit erhalten war. Ich entdeckte bewohnte Häuser aus Lehm, wo die Wasserspeier aus ausgehöhlten Palmenstämmen waren. Einige Felder waren überflutet, andere Kanäle durch Lehm oder Steinbarrieren verschlossen oder geöffnet. Es gab uralte Brücken die aus 2 Palmenstämmen bestanden, die mit Lehm verschmiert waren. Über solche Brücken sahen wir auch einen Esel gehen!!! Ich war fasziniert von den alten oft bunt bemalten Eingangstüren zu den Lehmhäusern.

Wir spazierten ganz alleine durch diese uralte Oase , wir lauschten den Vogelstimmen und hörten die leisen Bewegungen der Palmenblätter über uns. Plötzlich tauchte vor uns ein Marokkaner in der typischen Tracht auf. Sehr höflich fragte ich ihn nach dem Weg zurück zum Hotel. Er bot sich an uns die Oase zu zeigen. Mein erster Gedanke war: „schon wieder ein Betrüger, der sich an uns anschleichen will!!!“ Ich lehnte höflich ab und sagte wir brauchen keinen Führer , wir haben nur diesmal unsere Satellitennavigation vergessen .Der junge Mann fragte, ob er uns zumindest das hiesige Museum zeigen dürfte!! Beim Wort Museum spitzte ich die Ohren ….. aber ich antwortete hochnäsig:“ Ich bin überhaupt NICHT an einem Museum interessiert …. aber sollte es hier in diesem kleinen Ort wirklich eines geben, dann könnte ich es mir doch anschauen !!“

Der junge Mann führte uns in eine andere Richtung tief in die Oase hinein. Mitten in diesem Labyrinth sagte ich zu Walter: „ der führt uns in die Wildnis und lasst uns dort verhungern , wenn wir uns nicht freikaufen“…… und in diesem Moment standen wir schon vor einer uralten Lehmburg ( KHASBAH genannt) die 350 Jahre alt ist und früher eine berühmte Karawanserei war.

Wir standen vor einem großen reich verzierten Holztor und unser junger Mann klopfte: es rührte sich NICHTS . Erst beim dritten mal Klopfen ging es in dem Türschloss: klick klack

Heraus kam ein Marokkaner der sich in feinstem Oxford Englisch als Direktor und wissenschaftlicher Leiter des Museums vorstellte. Er sagte, dass diese Khasbah das größte und bedeutendste Museum für Kunst und Kultur der Völker der Nomaden in der Sahara ist. … und wenn wir wollten macht er sich mit uns einen Termin aus und führt uns durch seine Sammlung. Ich schielte in die großen Ausstellungsräume und sagte, dass es eine Ehre für uns sei eine Führung zu bekommen!!!

Für den nächsten Morgen bestellten wir unseren Führer und so standen wir pünktlich vor einer 350 Jahre alten Karavanserei die völlig aus Lehm gebaut wurde .

Der Monsieur le Directeur war Ethnologe und reiste mit seinen Vorträgen durch die ganze Welt von einer Universität zur anderen, wie er uns stolz erzählte-.

Das Museum der Oase AIT-BEKKOU ( ca 25 km östlich von Guelmim) hatte früher 60 „Zimmer“ und konnte bis zu 200 Leute aufnehmen . Die Lehmmauern wurden mit trockenen Palmblättern verstärkt und die kunstvollen Plafonds bestanden aus bemalten oder verzierten Stämmen von der Dattelpalme. Die Khasbah war zweigeschossig.

Ein Kamel kann 2 –3 Monate ohne Wasser auskommen. Es senkt seine Körpertemperatur, daher hat es kaum eine Verdunstung. Ein Kamel kann bis zu 200 kg Gepäck tragen und binnen einer Stunde so viel Wasser aufnehmen, wie sein halbes Gewicht.

Für die Karawanen die die Sahara durchquerten war der Schutz ihrer Waren wichtig, daher wurden die in riesige Säcke aus Kamelleder verpackt die man den Kamelen umhängte. Für den täglichen Bedarf mussten die Gebrauchsgegenstände gut verpackt werden wie z. B. das kleine Teekännchen mit den dazugehörenden Gläsern. ( Wasser war rar und der Tee kostbar , meist nur für Gäste als Willkommenstrunk aufgegossen)

Auf den Karawanen wurde auch der Brautschmuck mitgeführt ( in edlen Kamelledertaschen die bunt bemalt waren ) …. falls sich eine Heirat während der Reise ergeben sollte. Waffen,Tierfallen, warme Bekleidung, riesige schwarze Zelte aus Tierhaaren wo die ganze Familie Platz hatte, kamen mit auf die Reise. Man schlief auf Ziegenfellen, im Sommer auf der glatten Lederseite , im Winter auf der Fellseite.

Die Lastenkamele wurde sehr sorgfältig beladen. Auf die Packtaschen kamen lange Strebehölzer für die Zelte und obenauf hatte noch eine Frau Platz und 2 kleine Kinder.

Ich dachte immer Wasser sei das Wichtigste für einen Aufenthalt in der Sahara. Aber Wasser wurde nur wenig mitgenommen in Ziegenbälgen . Wasser konnte man in den vereinzelten bekannten Brunnen nachschöpfen oder in Oasen finden . Man führte immer einige Milch-gebende Kamele mit ihren Jungtieren mit. Die Milch wurde dann in einem Ziegenbalg so lange „ geschüttelt“ bis sich die Butter absonderte. Getrunken wurde dann die Molke , die zum Teil vergoren wurde damit sie länger haltbar war.

Was haben die Leute gegessen, die mit einer Karawane in der Sahara unterwegs waren: Kamelbutter, getrocknete Datteln ( haben viel pflanzliches Eiweiß) Honig, ebenso Tee der kostbar war, weil er kam aus China und Zucker als Zuckerhut, der dann mit einem Hämmerchen zerschlagen wurde. Mehl für Fladenbrote wurde wie alle anderen Lebensmittel in der Oase gekauft . In der Oase wurde das Getreide angepflanzt. Dann kam Schlecksalz für die Tiere mit auf Reisen und trockene Palmblätter zum Entzünden des Kameldungs .

Als Fleischlieferant wurden Tiere mitgenommen.

Leben in der Oase vor 350 Jahren

Eine Oase war meist sehr lang , aber schmal . In der Mitte der Oase floss ein kleines Flüsschen , welches selten austrocknete. Von diesem Flüsschen wurden die Bewässerungskanäle abgeleitet , man konnte einen Kanal leicht öffnen und schließen . Ein paar Steine wurden mit Lehm verschmiert und schon war der Kanal geschlossen.

Wichtig war die gerechte Aufteilung des Wassers und das geschah so: Ein Kübel aus Kamelhaar wurde mit Wasser gefüllt. Der war tatsächlich dicht, weil die Kamelhaare quellen. Dahinein kam ein Metallgefäß mit einem kleinen Loch. Dieses Gefäß wurde in den Kamelhaarkübel gelegt und binnen einer Stunde sank es zu Boden. 4 Wächter wechselten sich Tag und Nacht im „ Uhr schauen“ ab und wenn das Gefäß am Boden des Kübels lag, wurde eine Trommel geschlagen um die Zeit zu verkünden. So wusste der Bauer genau wann er seinen Bewässerungskanal öffnen und wieder schließen musste. Man konnte seine Bewässerungszeit auch verkaufen. Im Sommer war die Stunde teurer als im Winter. Je mehr ein Feld bewässert wurde um so reicher war der Ertrag.

Tiere tränken war gratis und jeder Haushalt durfte sich so viel Wasser nehmen wie er brauchte.

Die vorüberziehenden Karawanen durften ihre Tiere auch umsonst tränken, kauften sie doch Proviant in der Oase und verhalfen ihr somit zu Wohlstand.

In der Karawanserei wurden Waren ausgetauscht und Erfahrungen weitergegeben. Die Karawanserei blieb die ganze Nacht geschlossen, somit war ein Diebstahl unmöglich. Gestellte Diebe wurden immer exemplarisch schwer bestraft.

Man konnte Güter, Gebrauchsgegenstände oder Brautschmuck einlagern . Dadurch war der kostbare Brautschatz vor Raubüberfällen in der Wüste geschützt. Als Brautschmuck galt : Bernstein, Koralle und Silber und Kauri Muscheln aber wenige Halbedelsteine wie Kaneol . Auf Reisen wurde nur das Nötigste mitgenommen . Viele Gebrauchsgegenstände wurden aus Palmholz hergestellt wie z. B. „ Heringe“, die man in den Sand gesteckt hat zur Befestigung der Kamellederschnüre die das Zelt fest hielten.

Oft wanderte man während der kühlen Nachtstunden durch die Wüste und orientierte sich nach den Sternen .Am Tag war es zu heiß.

Wir gaben unserem „Monsieur le Directeur“ 2 Packerln Zigaretten als Gastgeschenk. Unseren netten Lotsen schenkten wir ein paar Kleider die ich am Campydach mitgebracht hatte und ebenfalls Zigaretten.

Nachdem Walter so krank war musste ich mich doch dazu bequemen endlich Campy fahren zu lernen. Das war nicht so einfach, weil die Strassen eng waren. Na endlich hatte ich das „ handling“ kapiert und sauste die Bergerln nach Tan- Tan Plage frisch fröhlich hinauf und noch schneller hinunter. Plötzlich hielt mich eine Polizeistreife auf. Ich fuhr nämlich 75 km/h statt den vorgeschriebenen 60. Ich sagte dem Polizisten, dass ich die Tafel gesehen habe, aber ich hatte dann einfach drauf vergessen. Der Polizist ließ uns UNGESTRAFT weiterfahren !!!

Ich zog ein Packerl Zigaretten aus dem Handschuhfach das der Polizist strahlend einsteckte….dann fragte er uns nach unserer Nationalität.

Wir fuhren weiter nach TAN –TAN-PLAGE . Das Wetter wurde schlechter und dicke Regenwolken zogen auf. In Tan Tan Plage wussten wir einen Stellplatz gegen Gebühr gleich am Atlantik . Wir wussten dass man dort gut einkaufen konnte, Wasser bekam und vor allem dass man auf festen Boden stehen konnte. So konnten wir in Ruhe die Regentage abwarten.

Als wir vor 2 Jahren in Tan -Tan Plage waren bewachte ein ca 50 jährige Mann den Stellplatz. Er schlief in einer selbstgebastelten Hütte aus Plastik und Transportkisten und er fror in den kalten stürmischen Nächten .Ich dachte ich würde diesen Mann an seinen schlechten Zähnen wiedererkennen und so packte ich für ihn Walters Mantel ein, den er im Winter auf seinen Baustellen getragen hatte. Der Mantel war voll waschbar und innen dick mit Kunstpelz gefüttert und schaute auch nach einer Reise von 4000 km am Dach von Campy noch sehr gut aus.

In Tan Tan Plage hatte sich einiges verändert. Auf dem Parkplatz stand auf einmal ein recht großes Häußchen, mit der Aufschrift „Douche“ und WC. Der Parkwächter hatte das Herren W C zu seinem Appartement umfunktioniert und wohnte da drinnen. Aus Brettern hatte er sich eine Liege gezimmert, ein Strick der von einer Mauer zur anderen gespannt war, diente als Kleider- Kasten und als Sessel stand eine Transportkiste bereit. Der Wächter besaß einen kleinen Gaskocher, auf dem er sich seine Mahlzeiten zubereiten konnte. Nach wie vor existierten seine 3 „wilden“ Hunde die von den Abfällen der Camper, die dort aufgereiht standen , recht gut gelebt haben. Ein Hund hinkte stark und es wurde mir erzählt, dass den ein wilder Autofahrer angefahren hatte.

Wir gaben dem Parkwächter gleich zu Beginn unseren dicken Mantel, sehr diskret in einem Plastiksack. Wir konnten dann von der Ferne beobachten wie er sich in seinem Mantel in der Scheibe eines Autos bewunderte. Die ganze Zeit die wir in Tan Tan Plage waren hatte er seinen Mantel an, ich nehme an er hatte ihn auch nicht während der Nacht ausgezogen.

In Tan Tan Plage hatte ich einige nette Begegnungen. Wir lernten einen Berliner Jungpensionisten kennen, einen richtigen „outdoorfreak“ . Sein Auto glich einem Militärfahrzeug . Er saß davor und häkelte aus Plastikstreifen „Teppiche“. Das geht ganz einfach : man benötigt eine riesengroße Häkelnadel ( Nr 10 ) und viele Plastiksäcke. Die werden in Streifen geschnitten und zusammengeknotet….. fertig ist der „Häkelfaden“ Der Teppich schaut aus wie ein riesengroßer Topflappen, wird er doch nur mit festen Maschen gehäkelt. Vorteil des Plastikteppichs. Sehr gut zu reinigen , sehr strapazfähig und umweltfreundlich.

Unser unmittelbarer Nachbar war ein Italiener, ein echter Optimist: er lachte den ganzen Tag, sang zu den Italienischen Schlagern , die aus seinem Casettenrecorder sprudelten (Musikgeschmack: Italienischer Musikantenstadel ) Er erzählte uns, dass er seit 13 Jahren unterwegs ist und einen Schrittmacher hat. Nur seine schöne Katze begleitete ihn. Ich wurde erst auf die Katze aufmerksam, nachdem er sie wegen ihres üppigen ,buschigen Fells 2 x täglich bürsten musste. Aus diesem Anlass gab die Katze sehr laut ihren Unmut zum Ausdruck, was uns neugierig machte.

Der Italiener erzählt uns, dass er in Italien keinen festen Wohnsitz hat und immerzu mit seinem Campingauto unterwegs ist. Er ist in seinem Heimatort gemeldet und in seinem Personalausweis steht als Wohnadresse: „Palazzo Municipale“ .Das Wort Palazzo ruft vielerorts Erstaunen hervor und er sagte er fühlt sich als „Italienischer Grande“.

Er aß herrlichen Käse und schenkte uns eine Stück davon. Käse ist eine Rarität in Marokko . Dort gibt es nur sehr teueren französischen Camembert oder minderen Schmelzkäse in Eckerln .

Die italienische Katze lief frei herum ohne Leine. Ich fragte ob das nicht gefährlich sei. „Nein“ war die Antwort, wenn die Katze in den Caravan hineinwill klopft sie an und er öffnet die Türe !!!!!!

Nachdem Walter so krank war wollte ich ihn so schnell wie möglich wieder „gesundkochen“.

In Tan Tan Plage wagte ich erstmals Rindfleisch zu kaufen. In Marokko wird ein Rind nicht so fein säuberlich tranchiert wie bei uns, sondern das Rind wird in Stücke gehauen und man kauft ein Stück Rind. Ich habe daraus eine herrliche Suppe gekocht und dann Rindsschnitzel mit frischem Gemüse ( Melanzani, Zucchini, Karotten….) Als das Essen fertig war, habe ich einen Teil davon heiß in Schraubdeckelgläser eingefüllt . So hielt das fertige Essen sehr lange frisch im Einskasten und war binnen Minuten aufgewärmt.

Mein italienischer Nachbar kannte diese Methode des Vorkochens und „Konservierens“ und er kochte Minestrone, die er mir stolz zeigt. Da ich wusste, dass es recht aufwändig war auf einem Gaskocher in Campys Winzigküche Berge von Gemüse zuzubereiten , kochte ich für meinen Nachbarn gleich mit zur Aufbesserung seiner „dünnen“ Minestrone. Als „Dankeschön“ schenkte er Fritz Trockenfutter Ringerln, die unser verwöhnter Kater verschmähte!

In Tan Tan Plage gab es gutes Wasser und daher füllten wir unsere 3 großen Reservekanister am Dach auf bevor wir weiterfuhren.

Die Regentage waren vorbei , die Sonne schien wieder knallhart auf die Erde. Wir sahen am Straßenrand etliche „Seen“ aus denen Nomaden mit Plastikflaschen Wasser schöpften. Ich hoffte sie verwendeten dieses Wasser nur als Nutzwasser. Ich sah auch etliche Tierleichen. Diese Tiere sind — so grotesk das auch klingen mag – in der Sahara ertrunken. Diese Tiere haben sich aus dem nassem Treibsand nicht mehr befreien können und sind regelrecht versunken.

AUSTERNLAGUNE:

Um bei der Austernlagune stehen beleiben zu dürfen musste man sich eine Genehmigung beim Bürgermeisteramt in Sidi Akfenir holen. Man musste nichts dafür bezahlen, aber unter dem Tisch wurde natürlich die Hand aufgehalten. Wir gaben dem „Machatschek“ ein Päckchen „Gibraltar“- Zigaretten und dem „ Schlappenschabbes“ auch. So kamen wir sehr schnell zu unserer Genehmigung. Unsere Zigaretten haben in Marokko einen Gegenwert von 3 € ,und das ist die Summe Geldes, die nicht jeder täglich zum Leben zur Verfügung hat.

Die Lagune wurde von einem einsamen kleinen Männchen bewacht. Ein Päckchen Zigaretten war auch hier ein gerne angenommenes „Willkommensgeschenk“ Es wurden nach wie vor Austern gezüchtet die jeden Morgen mit einem Kühltransporter abgeholt wurden, nach Layyoune zum Flughafen chauffiert wurden um dann am selben Abend in den Bäuchen der Gäste im „ Crazy- horse“ in Paris zu landen.

Die Lagune hat ihr Aussehen seit unserem letzten Besuch total verändert. Als wir ankamen war die ganze Lagune überschwemmt Am nächsten Morgen war Ebbe und es kamen Schwärme von Vögeln die sich an Muscheln und Kleintiere satt futtern. Ich sah Flamingoherden, Enten mit roten Schnäbeln, riesige Reiher , kleine Stelzenvögel und zum ersten Mal Kormorane, die ihre Flügel im Wind trockneten.

Auf der Lagune lebten viele Fischer, die ihre Beute gerne an die Camper verkauften, weil sie höhere Preise erzielen konnten. Die Franzosen aßen alles was sich bewegt, auch Seeigel, Riesenkrabben, Muscheln und riesige Kraken .Fisch war für uns billig, aber nicht sehr ausgiebig. Eine Seezunge kostete 1 €, ein Seeteufel 3 Euro. Ein Fischer brachte mir einen Seeteufel. Dieser Fisch schaute aus wie ein Ungeheuer. Das Maul war groß und hatte große Zähne und der Fisch bestand zur Hälfte aus Kopf und Maul. Ich habe mir den Fisch um 1 € herrichten lassen . Als ich den abgehäuteten kopflosen noch blutenden Fisch abwaschen wollte hat er sich kräftig bewegt. Am Liebsten hätte ich den Fisch nicht mehr gegessen.

Ich ersuchte den Fischer mir einen Fisch zu bringen, der wie ein Fisch ausschaute und nicht wie ein Ungeheuer. Am nächsten Tag brachte er mir einen 1 m langen Fisch, der für mich verdächtig nach Haifisch aussah. Den wollte ich auch nicht. Noch dazu wo er sehr blutig war. Hinter mir standen laut schnatternde Italiener und die rissen sich dieses edle Tier beinahe aus den Händen. Ich habe mich angewidert zurückgezogen . Ob die Italiener diesen Fisch in Stücke gerissen hatten konnte ich nicht mehr sehen.

Ich hatte noch warme Regenjacken für Fischer in meiner „ Verschenk-Tasche“ und ich überlegte lange, wem ich meine nützliche Kleidung schenken sollte….. und so machte ich das was ich in der Sahara gelernt hatte: nämlich WARTEN.

Eines Tages sah ich auf einem Spaziergang eine Hütte, die aus aufgeschichteten Steinen bestand , die mit fest verschnürten Plastikfolien gedeckt war. Die Schnüre und Netzte waren Abfälle von den Fischern. Ziegen standen um diese Hütte die ein alter Mann hütete.

Am nächsten Morgen sah ich wie dieselben Ziegen ihre karge Kost mit den Abfällen der Europäer aufbesserten und wie der alte Mann den Müll nach Brauchbarem untersuchte und das Unbrauchbare anzündete.

Ich ging zu dem alten Mann hin, verbeugte mich leicht und fragte ihm höflich, ob er ein Geschenk annehmen würde. Dann reichte ich ihm die Kleidung die ich in einen sauberen Sack verpackt hatte. Ich entfernte mich leise.

Am nächsten Morgen stand der Mann vor der Campytüre und hielt ein Geschenk für mich bereit. Es waren 3 (!) kleine Knochen. Ein Knochen stammt von einem Schädel eines ganz seltenen Fisches. Der Fisch gilt als Glücksbote und der kleine Schädelknochen als Talisman. Ich fragte, was ich mit dem Knochen anfangen sollte und der alte Mann antwortete ich soll ihn mir fassen lassen und an einer Kette um den Hals tragen. Ich war gerührt über diese kostbaren Geschenke.

Ich habe die kleinen Knochen in Layyoune in Silber fassen lassen . Der dortige Goldschmied sagte mir, dass er den Knochen kennt und schon oft gefasst hatte, leider habe ich den Namen des Fisches vergessen. In Österreich kennt man ihn sicherlich nicht.

Als in der Austernlagune ein Sandsturm aufkam haben wir beschlossen nach Laayoue weiterzufahren.

LAYYOUNE ist Sitz der UNO in der West Sahara

Die Stadt hat sich nett herausgemausert, die Plätze waren sauber, es wurde viel gebaut. Der Riesige Basar war immer noch üppig , wir sahen wie vor 2 Jahren dieselben Bettle und die Handwerker die auf der Straße ihre Dienste anboten. Wir fanden sogar „unser“ Kaffeehaus wieder wo ein kleines Löfferl Nesscaffee in ein Glas heiße Milch gegeben wurde und als Kaffee verkauft wurde. Dazu gab es die herrlichsten „Croissants“.

Ich habe ein Prinzip auf meinen Reisen: Bettler die mich aggressiv angehen bekommen von mir nichts. Ich beschenke nur alte ,kranke Bettler, denen ich „ nachlaufe“ oder die ich „aufwecke“ wenn sie am Straßenrand eingenickt sind .Ich grüße artig und drücke ihnen meine Gabe in die Hand. So begleiteten mich während der ganzen Reise immer die besten und herzlichsten Segenswünsche. Ein Geldbetrag ist in meiner Reisekasse immer für alte kranke Leute einkalkuliert.

Wir verbrachten die Nacht bei einer uns bekannten Tankstelle von der ich wusste, dass sich dort ein kleines Gärtlein befand , wo Kater Fritz endlich wieder Gras fressen konnte.

Ich verteilte sofort wieder Zigaretten und so hatten wir eine ruhige Nacht. Am nächsten Morgen zeigte uns der Tankwart seine neue Wasserleitung … aus dem Wasserhahn kam tatsächlich frisches gutes Wasser. Nicht genug!! Walter musste auf die Reparaturgrube fahren und Filter und Auspuff wurde gereinigt und dann Campy noch in Windeseile gewaschen . Ich hatte noch eine Regenjacke und T-shirts zu verschenken und der Schlafplatz am Rückweg war uns sicher.

Wenn man von Laayoune weiter nach Süden fährt ist die Gegend so bretteleben, dass man die Erdkrümmung sieht. Nach LAAYOUNE gibt es keine Sanddünen mehr, sondern nur mehr Steinwüste, die dann in Salzwüste übergeht. Salzwüste ist gleißend weiß und blendet sehr. Man fährt und fährt und fährt, ohne dass sich das geringste verändert.

Irgendwann tauchte der Ort BOUJDOUR auf, ein größeres Garnisonsdorf mitten in der Wüste…. vorne NIX … in der Mitte NIX und hinten auch NIX …. Angeblich sollte es dort gutes Kamelfleisch geben… leider nichts für mich, weil meine Fleisch-Sehnsucht beschränkte sich auf Wiener Schnitzel mit Erdäpfelsalat.

So fuhren wir weiter in Richtung Süden von einer Polizeisperre zur anderen. Wir mussten ununterbrochen unsere Daten aufschreiben .

Ich entdeckte eine schmale geteerte Straße die auf einen Felsvorsprung führte. Uns zu Füßen lagen 3 gestrandete Schiffe die der Atlantik in Richtung Strand gespült hatte. Vielleicht war in einem dieser Wracks der „ Fliegende Holländer“????

Wir dachten es wäre ein guter Schlafplatz und Hunger hatten wir auch schon.

Wir standen genau eine Minuten auf diesem Platz und schon war unser Campy voll mit einer Million Fliegen. Ich riss mein Leiberl von mir und warf es über das Katzenfutter und über das Trockenfutter. Beides war schon schwarz von Fliegen. Es gab 2 Möglichkeiten: entweder hysterisch auszuflippen oder schreiend davonzurennen….. aber wohin sollte ich laufen??? Schreie würden die Fliegen auch nicht vertreiben. So riss ich die Fahrertüren auf und durch den immerwährenden heftigen Sturm flogen die Fliegen bei einer Türe hinaus und bei der anderen wieder herein. Ich zündete eine Gelsenspirale an und steckte 2 Gelsenstecker in die Steckdosen, so wurden die wilden Fliegen zumindest „ letschert“. Durch den heftigen Wind erlosch von Zeit zu Zeit die Gasflamme, aber ich brachte doch ein Essen auf den Tisch. Nach dem Essen haben Walter und Kater Fritz den Campy verlassen und ich habe fest mit TUS ausgesprayt. Die überlebenden Fliegen konnte ich leicht mit dem elektrischen Fliegenpracker erlegen. So hatten wir zumindest eine fliegenfreie Nacht.

Am nächsten Morgen fuhren wir weitere 500 km noch tiefer in den Süden nach

DAKHLA:

Wenn man in die Wüste fährt muss man eine alte Beduinenregel beachten. Wenn jemand mit einer Plastikflasche am Weg steht muss man anhalten und die Flasche mit Trinkwasser füllen. Sicherlich fahren auch einige andere Autos auf dieser Straße , aber ich hatte genügend frisches sauberes Wasser . 2 x wurden wir aufgehalten. Das eine Auto kam aus Mauretanien und hatte gleich 2 „Patschen“….. irgend ein Lastwagen sollte neue Reifen bringen. Ich gab den beiden Burschen nicht nur genug Wasser, sondern gleich ein ausgiebiges Picknick mit Obst , Sardinen und Brot. Für den Rückweg hatte ich schon „ Jausenpakete“ bereit.

Die 500 km bis Dakhla ziehen sich endlos durch die Einöde dahin. Es war heiß , sehr heiß und es war Mitte Februar. Ich will gar nicht wissen wie heiß es im Sommer ist.

Dakhla ist eine Halbinsel, die in den Atlantik ragt. Es ist die letzte große Stadt vor der Grenze zu Mauretanien.

Dakhla hatte mehrere Kasernen aus Wellblech und eine Militärmarineeinheit.

Die Militärpräsenz spürte man dauernd, weil in Dakhla waren auf einem Flughafen die alten französischen „ Mirage“ – Kampfjets stationiert, die häufig mit irrem Getöse losdüsten. Ich habe erfahren, dass die Franzosen die Mirage- Jäger den Marokkanern geschenkt hatten, weil für sie die Erhaltung unrentabel geworden war.

Auf der Halbinsel hatte man festen Boden und man kann sich überall hinstellen .Der Felsen auf dem man stand bricht steil in den Atlantik ab.

Dakhlar sollte für mich ein Ort der Erholung werden…. zumindest für einige Tage. Als wir ankamen war der Atlantik ungewöhnlich ruhig. Mit meinem Fernrohr sah ich die unterschiedlichsten Vögel, die fleißig Futter zwischen den Steinen suchten. Ein junger Mann paddelte jeden Tag mit einem aufgeblasenen Autoreifen-Schlauch hinaus aufs das offene Meer , um Fische aus seinem Netz herauszuholen. Dabei sang er lautstark alte arabische Lieder. Die Fische verkaufte er dann an die Camper.

Ich ging einmal zum Meer hinunter um in einer ruhigen Bucht zu baden. Der Atlantik ist sonst so stürmisch , dass man nie wagen könnte hineinzugehen um zu schwimmen. Das Wasser war kühl und so salzig, dass man gar nicht viel schwimmen musste. Ich ließ mich treiben. Dazu hatte ich eine Fernsicht bis „Amerika“ und dort reifte der Entschluss das wir nächstes Jahr für mindestens sechs Monate mit unserem Campy nach Amerika fahren wollen . ( in sch`Allah )

In Dakhla floss Milch und Honig. Man bekam alles was das Herz begehrte. Auch ein gutes Stück Rind. Am Fleischmarkt gab es Rind-Kamel – Schafs und Ziegenköpfe noch mit Fell zu kaufen…. den toten Tieren hing die Zunge heraus….Dann gab es gereinigte Schafsdärme schön zu Zöpfen geflochten. Die werden hier in Fett knusprig gebraten und zum Fernsehen statt Chips gegessen.

Fisch gab es ohne Kopf und Eingeweide, dann Obst, Gemüse , frische Eier , Brot und die ersten großen aromatischen Erdbeeren.

Das Besondere in Dakhla war eine Konditorei mit den besten Croissants, die ich je gegessen hatte. Die Füllungen waren unterschiedlich : Pudding, Oliven, Gemüse, Apfel….Wir haben uns oft ein halbes Dutzend einpacken lassen und sind ins gegenüberliegende Kaffeehaus gegangen.

Ein Hamam ( ein öffentliches Bad ) haben wir auch entdeckt und ich schüttete mit großer Lust sicherlich 10 Kübel heißes Wasser über mich.

Eines Morgens wachte ich auf und sah eine extreme Ebbe. Mit der kommenden Flut wurde der Wind orkanartig stark. Man konnte nicht vor die Türe gehen und Campy schaukelte so stark, dass ich dachte es sei ein Erdbeben oder wir waren auf einem Schiff. Ich konnte kaum kochen, weil meine Pfannen vom Herd rutschten.

Am nächsten Morgen war der Horizont schwefelgelb verfärbt: das bedeutete Sandsturm. Wir beschlossen einen Platz an einer Mauer zu suchen und zu warten . Zum Glück war auf der Landzunge wenig Sand, so flogen nur die Salzbröckerln durch die Luft.

Wir flüchteten oft in die Stadt, nicht nur wegen der herrlichen Croissants, sondern weil dort der Sturm erträglicher war. Bei einem Bummel durch die Stadt entdeckten wir einen kleinen Laden, dahinter saß eine Frau und reparierte Uhren. Ich kam mit der Frau ins Gespräch und sie erzählte mir ohne einen Funken von Selbstmitleid, dass sie seit Kindheit gelähmt war und sich nur im Rollstuhl fortbewegen konnte . Sie musste einen Beruf erlernen bei dem sie sitzen kann und so wurde sie Uhrmacherin. Sie musste sich ja selbst erhalten, weil eine Heirat mit einer behinderten Frau nicht möglich war . Die Uhrmacherin erzählte mir stolz, dass viele Franzosen ihre alten Uhren zur Reparatur bringen und im Jahr darauf wieder abholen. In der europäischen Wegwerfgesellschaft werden die Uhren nie repariert und daher stirbt dieses Gewerbe langsam aus.

Zum Abschied sagte mir die Frau: „Allah hat mir 2 geschickte Hände gegeben und einen Kopf und ich freue mich jedes Mal, wenn ich eine Uhr wieder zum Leben erwecken kann“ ….

Im Sommer 2006 konnten wir wegen Walters Krankheit nicht wegfahren. In Wien gab es Filmfestwochen mit dem Thema: „ Brennpunkt Orient“ . Ich schaute mir 17 (!!!) Filme an von denen einige auch in Marokko spielten und mehrere in Persien ( Iran)

Da die Themen dieser Filme sich zumeist um Frauenprobleme drehten hörte ich sehr genau zu, wie die Frauen mit den Männern sprachen und vor allem lernte ich die Körpersprache.

Ich habe gelernt, wie man mit Moslems diskutiert ohne ihren Stolz zu verletzten und ohne ihnen das Gefühl der Überlegenheit zu nehmen.

Eines Tages kam ein Mann mit sehr schlechten Zähnen in einem uralten Auto zu unserem rüden überheblichen Nachbarn , der ihm angeblich etwas verkaufen wollte. Der Deutsche benahm sich unwürdig . Ich übersetzte ins Französische und versuchte die harten Worte abzumildern . Der Kauf kam nicht zustande , aber ich konnte mich mit dem Mann unterhalten. Ich packte gerade einen Sack Gemüse aus und lobte marokkanisches Gemüse wegen seines Aromas und Geschmacks.

Der Mann sagte mir, er sei der Verwalter einer Tomatenfarm. Ich spitzte die Ohren:… Eine Tomatenfarm mitten in der Sahara…. woher kam das Wasser??

Ich überschüttete ihn mit Fragen und er lud uns für den nächsten Tag zu einem Cous-Cous in seinem Haus ein.

Wir erschienen pünktlich ca 100 km von unserem Schlafplatz entfernt am vereinbarten Treffpunkt. Anschließend fuhren wir noch etliche Kilometer auf einer Staubpiste in die Sahara hinein. Dor stand die Farm: Gut befestigte Plastikzelte , die dem stärksten Sturm standhielten und ein paar Wohnhäuser , die lieblos aus Betonplatten gefertigt wurden.

TOMATEN UND MELONENFAM IN DER SAHARA

Eine stark mineralhältige Quelle versorgt die Tomaten und die Menschen mit Wasser. Der Salzgehalt ist gering und die Quelle liegtg 400 m tief. Der Diesel zum Heraufpumpen des Wassers wird „ gefördert“ und kostet nur 45 Cent pro Liter. Durch diese ständige Wasserentnahme sinkt der Grundwasserspiegel in der Sahara und irgend wann einmal wird die Quelle versiegt sein , daher sind die Häuser nicht sehr gut gebaut.

In den Plastikzelten werden die Tomaten oder Melonen so gezüchtet: es werden Sandbänke aufgeschüttet und auf die kommt Gartenerde drauf, die aus Europa (!!) importiert wird . Die Gartenerde wird in Europa aus Biomüll hergestellt. Als Gegenleistung kauft Europa die Tomaten. Über die Erdhaufen werden schmale Plastikbahnen mit Löchern gelegt und in jedes Loch kommt ein Tomatensamen der aus ISRAEL (!!! ) importiert wird. Die Tomatensamen sind Hybride und müssen immer neu gekauft werden . Diese Tomaten haben den Vorteil, dass sie das leicht salzige und schwefelhältige Wasser gut vertragen .

Durch den Zusammenschluss von Europa durch die EU kann Israel seine Tomaten ( und JAFFA- Orangen ) nicht mehr nach Europa verkaufen. Spanien ist jetzt der Haupt Gemüse und Orangenlieferant für die nördlichen EU Länder.

Folgedessen hat sich Israel auf Samen und Orangen-Pflänzchen spezialisiert, die leichter zu exportieren sind als die ganzen Früchte.

Die Tomaten werden auf Schnüren hochgezogen und eine Tomate schaut aus wie die andere . Weil sie gut haltbar sind werden sie ausschließlich nach Europa exportiert.

Die kaputten Tomaten oder Melonen können die Arbeiter essen oder sich arme Leute aus dem Dorf holen . Nur leider ist der Weg zum Dorf so weit und wenn jemand wirklich arm ist, kann er sich die Fahrt zu dieser Farm nie leisten. Ich hätte gerne gewusst, ob der Verwalter mit seinem einzigen Auto weit und breit auch Tomaten zum Verschenken mit sich führt?

Alle Tomaten ( und Zucker oder Honigmelonen ) müssen gleichzeitig gesetzt werden und gleichzeitig geerntet . Das erfordert viele Arbeitskräfte.

Unser Gastgeber holt sich seine Arbeiter aus FES. Von dort stammt seine Familie und die seiner Frau. Durch Vetternwirtschaft wird den Verwandten ermöglicht einen Job zu bekommen, der 2000 km von ihren Familien entfernt ist. 1 x im Jahr dürfen die Männer für ein Monat nach FES zu ihren Familien fahren. Ein Arbeiter schickt ca 2/3 seines Lohnes zu seiner Familie. Mit dem Rest des Geldes versorgt er sich selbst. Die Männer leben zu fünft in einer Schlafbaracke , dafür zahlen sie keine Miete. Angeblich sind die Löhne für die Arbeiter recht gut. Oft ernährt so ein Farm-Arbeiter mit seinem Lohn die gesamte Familie zu Hause mit all ihren Kindern, von denen jedes Jahr eines dazu kam.

Der Farmverwalter besaß als einzige ein ( altes klappriges ) Auto und war sehr stolz drauf.

Er erzählte, dass er einmal im Kongo war, um dort eine Gemüsefarm aufzubauen, aber im Kongo konnte er keine verlässlichen Arbeiter auftreiben , wodurch die halbe Ernte verrottete. Als er die Gemüsefarm dem Dorf übergab war sie binnen einem halben Jahr total heruntergewirtschaftet.

Die Frau des Farmverwalters war jung und hübsch, aber sie betonte, dass sie aus FES kam und keine „Sahari“ war. Die West Sahara steht unter dem Schutz der UNO , gehört aber zu Marokko. Die Nord.- Marokkaner bezeichnen den Süden als lästiges Armenhaus , welches miternährt werden muss….. Ständige Militärpräsenz verhindert recht erfolgreich dass sich der Norden und Süden von Marokko bekämpfen. Die Sahari wollen ihre Freiheit , angeblich gibt es viele Bodenschätze von denen man gut leben kann und die man in den Norden „abliefern“ muss. Meiner Meinung nach sorgt Marokko sehr gut für den Süden und ich bemerkte dass in den letzten Jahren viel investiert wurde und der Lebensstandard verschlechterte sich nicht

Die Hausfrau war schwanger und hatte ein weites „Hauskleid“ an, ich dachte es wäre ein Nachthemd!! Sie hatte eine sehr hübsche 5 jährige Tochter, die jeden Tag mit dem Schulbus in die Schule geführt wurde. Leider hat das Kind auf der Farm kaum Spielkameraden .

Ich fragte die werdende Mutter wo sie entbinden wird, in ihrem Haus oder im Krankenhaus. Hausgeburten sind absolut unüblich. Man geht ins Krankenhaus . Die Geburt und die Mutter Kind Versorgung ist im städtischen Krankenhaus gratis. Nur im Privatkrankenhaus muss man zahlen: ca 300 € pro Geburt, aber die medizinische Versorgung ist auf jeden Fall gewährleistet.

Die junge Frau kochte COUS-COUS für uns mit Lammfleisch und Gemüse. Als Nachspeise gab es frisches Obst.

Die gekachelte Küche war groß und die Kasteln bestanden aus Mauernischen mit nicht mehr exakt schließenden Türln. Ein Tisch-Propangasherd diente zum Kochen , in einer Ecke war eine Abwasch montiert. ( Ich füllte sofort meine Nutzwasserkanister mit Wasser !!!)

Das Wohnzimmer war kaum möbliert: eine Bank , ein Tisch, ein Fernseher der ununterbrochen lief . Uns zu Ehren wurde die „Deutsche Welle“ eingeschaltet und wir sahen bayerische Blasmusikanten, die von einer arabisch sprechenden Fernsehsprecherin kommentiert wurden!!!

Das Cous Cous wurde auf einer riesigen Tonschüssel serviert . Jeder bekam einen Löffel und man futterte aus der Schüssel. Das Cous Cous war schmackhaft und die Hirsebasis köstlich . Lammfleischfan bin ich weniger.

Es blieb viel von dem Essen übrig. Ich fragte was mit den Resten geschieht …. die bekommt der Hund ( außer dem Fleisch) . Genauso wird ein Fisch sofort zubereitet und gegessen Er wird nicht einen einzigen Tag im Eiskasten aufgehoben.

Ich hätte sooo gerne die Reste des köstlichen Essens mitgenommen…..

Sehr spät um Mitternacht fuhren wir zu unserem Schlafplatz an der Mauer zurück. Gott sei Dank war die Piste gut markiert mit übereinandergelegten Steinen, so konnten wir uns in dieser totalen Dunkelheit nicht verirren.

Wir verließen Dahkla weil wir tief in die Sahara hineinfahren wollten. Wir tankten Campy voll mit 45 Cent Diesel , unser Wasser am Dach behielten wir noch, weil wir wussten, dass es in der Sahara zwar Tankstellen gibt, aber kein Wasser.

In die SAHARA kann man nur hineinfahren, wenn kein Sandsturm in Sicht ist. Einen Sandsturm erkennt man am schwefelfarbigen Horizont. Bevor man in die Sahara hineinfährt muss man genaue Wetterbeobachtungen machen. Die Dämmerung sollte aussehen wie ein Regenbogen. Der Teil zur Erde hin sollte tiefblau sein, je weiter zum Himmel sollten die Farben das gesamte Spektrum aufweisen und der Schlussstreifen ist dann orangefarben leuchtend.

Wir hatten Glück, wir kamen die ganze Zeit NIE in einen Sandsturm. Es wehte immer, Tag und Nacht ein sehr starker Wind . Sand war immer und überall. Ein Sandsturm ist meist ein Wirbelsturm .Die Sahara ist kein großer Sandhaufen, wie allgemein angenommen wird.

Ein paar Straßen führten in die Sahara hinein , schon wegen dem dauernd präsenten Militär. Die Strassen waren schmal , auf beiden Seiten stark ausgefranst und fast nur einspurig. Ein entgegenkommendes Fahrzeug sah man schon von weitem durch den Sand der aufgewirbelt wurde. Zumeist blieb derjenige stehen um den anderen vorbeizulassen der festen Boden am Straßenrand sah. Auf unserer Strecke war alles vorhanden was wir uns unter dem Begriff Wüste vorgestellt hatten: riesige Gebirgszüge die zum Teil durch den ständigen Wind entweder glatt geschliffen waren oder ausgehöhlt. Wir sahen hohe Sanddünen, Kamele, die die grünen, zarten Spitzen der Pflanzen abknabberten ( es hatte ja geregnet) Wir sahen vereinzelt Bäume die durch den ständigen Sturm völlig schief standen und wir fuhren von einer Fata Morgana zur nächsten.

Endlich näherten wir uns der Stadt EL SAMARA

Woran wir das merkten?? Ganz einfach: an jedem auch noch so kleinem vertrockneten Grasbüschl hing ein schwarzes Nylonsackl. Ich dachte zunächst das wären Vögel die so malerisch durch den Wind segelten.

El Samara ist eine Garnisonstadt mit vorne NIX, in der Mitte nix und hinten wieder nix.

Ich sah aber von der Ferne riesige Rauchschwaden aufsteigen und meinte, es brennt . Als wir näher kamen roch der Brandgeruch verdächtig gut nach gegrilltem Fleisch und so war es nicht schwer für uns das „ Grillrestraurant“ zu finden .

Wir setzten uns an einem Tisch und ein Lehrbub kam mit einem Fetzen und wischte den Tisch ab. Mit demselben Fetzten wischte er die Sessel ab und wie ich später bemerkte auch die Teller. Ich bestellte Lammkoteletten und Walter Rindsstückerln. Der Grillmeister brüllte zum gegenüberliegenden Fleischer und der Lehrbub holte die Fleisstückerln . Ich hatte den Fleischer gar nicht also solches registriert, weil er hatte sein Stück Rind und sein Stück Schaf feinsäuberlich in ein Tuch gewickelt ( ich nehme an das war in Essigwasser getränkt ) damit keine Fliegen an das rohe Fleisch kamen.

Der Lehrbub eilte noch zum Bäcker um frisches Brot. Wir bestellten eine Flasche Trinkwasser und bekamen eine original verschlossene. ( Firma Nestlee sei Dank) Die Einheimischen holten sich mit einem Gemeinschaftsbecher Wasser aus einer Tonne.

Die Lammkoteletts wurden mir auf einem Stück Papier serviert. Ich war froh, dass es nicht der abgewischte Teller war. Das Lamm lag mir noch eine Woche lang im Magen , ich war das Fett nicht gewöhnt.

Die Grillstation hatte regen Zulauf, besonders von Soldaten und Polizisten. Das waren die einzigen Leute die ein festes Gehalt bezogen . Sie wurden von der UNO finanziell unterstützt . Die UNO sorgte recht gut für Ruhe und Ordnung in dieser Krisenregion.

Ein freundlicher Polizist bot uns an am Parkplatz der Polizei zu schlafen. Wir lehnten dankend ab, wir wollten uns lieber einen Platz in der Wüste suchen. Vorteil: keine Fliegen . Man muss ja nicht dort stehen bleiben wo tote Tiere liegen, Nachteil: heftiger Sturm.

Unsere weitere Route sollte uns in Richtung Osten führen dort wo die Sahara aufhört und das Atlasgebirge anfangt. Wir erkundigten und vorher ob die Straßen gut befahrbar waren, wollten wir auf keinen Fall unseren Campy mit irgend einer Fahrt über eine Piste gefährden.

Wir entdeckten eine Vielzahl von Oasen, von der Winzig- Oase die nur aus ein paar Palmwedeln bestand bis zur großen Oase, die Lebensgrundlage für ein ganzes Dorf .

Die große neue Entdeckung für mich waren die Dörfer die hoch hinauf auf einen Bergh gebaut wurden und die ausschließlich aus Lehmbauten bestanden. Ich sah Speicherburgen aus Lehm ( Khasbahs) uralte Karavansereien, und auch weit verstreute Bauernhöfe . Ein Bau aus Lehm ist billig , im Sommer kühl im Winter warm . Jetzt fangt man an diese alten Lehmhäuser zu renovieren und revitalisieren. In früheren Zeiten hat man dem alten Dorf mit seinen wunderbar verzierten Lehmhäusern den Rücken gekehrt und gleich daneben ein Dorf aus Betonteilen gebaut. Meist ist das Betondorf in einem schlechteren Zustand wie das Lehmdorf. Die Betondörfer schauen alle gleich aus: Schon von Weitem sieht man das eckige Minarett einer Moschee und rundherum die neuen Häuser.

Alle Minarette in Marokko sind nach dem Vorbild des mittelalterlichen Minaretts von Marrakesch nachempfunden. Auf der Spitze befindet sich eine Halterung für 3 meist mit Goldfarbe gestrichenen Kugeln. Dereinst soll eine schöne Prinzessin während des Fastenmonats Ramadan so hungrig gewesen sein, dass sie 3 Datteln aß und damit das Fastengebot brach. Um ihre schwere Verfehlung wieder gut zu machen schenkte sie der Moschee von Marrakesch 3 goldene Kugeln , die der Muezin an der Spitze des Turmes anbrachte zur Mahnung an alle Gläubigen ihr Fasten einzuhalten.

Wir sind dann näher zum hohen Atlas gekommen und der Anblick auf die schneebedeckten Gipfel war beeindruckend. Die Landschaft war unvorstellbar vielfältig.

So erreichten wie QUARZAZATE :

Die Stadt war groß und wurde von einem Stausee mit Wasser versorgt. Durch Zufall fanden wir einen preiswerten Campingplatz der von einer hohen Lehmmauer umgeben war. So konnten wir die Stadt gut besichtigen . Quarzazate war eine Oasen-Stadt die viele Touristen anlockte. Die Resorts lagen hinter hohen Lehmmauern. Die Gäste wurden abgeschirmt.

Wir machten uns alleine auf den Weg und entdeckten eine Stadt mit vielen alten Lehmhäusern und einer riesigen Lehmburg in der Mitte, die man besichtigen durfte. Innen war die Lehmburg total leer, es gab nie Möbel. Das häusliche Leben spielte sich auf Polstern ab, die auf Teppichen lagen. In der Mitte des Raumes war ein niedriger Tisch.

Die Khasbah wurde von der Filmindustrie renoviert und für Orientfilme als Kulisse verwendet. Etwas außerhalb der Stadt befanden sich 2 Filmstudios . Eines durfte man besichtigen . Der Eintrittspreis war hoch: 10 €.

Viele Filme wurden hier gedreht wie Laurence von Arabien, Gladiator, Troja, little Buddah, Spartakus und etliche ( Bibel) Filme die im alten Ägypten spielten .

Die Kulissen haben mich beeindruckt. Es gab eine ganze alt-ägyptische Stadt , mit goldenen Toren ( aus Messing) Die Mauern wurden mit berühmten ägyptischen Malerein verziert z. B. die Entenjagd eines Prinzen. Die ganze Anlage schaute aus wie das Tal der Könige. Das Tal der Könige ist eine Begräbnisstädte, die jeder Kinobesucher von Photos kennt , und so hat man die als Stadt der Könige nachgebaut. Die Kulissen werden vor jedem Film renoviert, damit sie neu ausschauen , das erledigen die Marokkaner. Lachende Chinesische Löwen standen neben riesigen ägyptischen Horus -Figuren. Man sah als Kulisse eine tibetanische Bibliothek und ein tibetanisches Kloster. Vor dem Kloster mit seinen typischen geschwungenen Dach stand ein Kampfjet „ einsatzbereit“ für den nächsten Film. Ferner gab es Kulissen für Wüstendörfer aus der Bibelzeit mit Palmzweigen als Sonnenschutz , einem Wasserrad mitten am Dorfplatz und Lehmbehausungen, wo oben die Menschen wohnten und unten die Tiere. Alle Arten von Kamelen oder Schafen und Ziegen waren in Marokko auch leicht aufzutreiben. Von der Ferne sah ich die Stadtmauer und das Tor vom alten Jerusalem. Da man nicht genau wusste, wie das biblische Jerusalem ausschaute wurde eine gigantische Kulisse gebaut . Keines der Gebäude hatte ein Dach, denn das helle starke Licht sollte von oben kommen.

Die klimatischen Bedingungen für so eine Filmstadt waren ideal. Es regnete nie, die Sonne wurde nie durch Wolken verdeckt. Die Kulissen waren mit viel Holz und Gips gebaut und verfaulten nicht . Ende Februar war es schon sehr heiß, man konnte nur am Vormittag ausgehen, denn zwischen 13 und 16 Uhr brannte die Sonne mit voller Kraft herunter.

Wir legten zu Mittag eine Pause ein. Kater Fritz schlief meist am Tag . Am Abend, als ich das Essen zubereitete ging er angeleint vor den Campy. Seine Beschäftigung war: „streunende – Katzen -schauen“ . Eines späten Abends hörte ich vor der Türe ein irres Katzengeschrei und sah, wie ein riesiger Kater auf Fritz saß . Fritz konnte sich nicht wehren, er hing an seiner Leine. Mit einem Besen bewaffnet schlug ich auf die große , böse Katze ein und Fritz schlich mit eingezogenem Schwanz zurück in den Campy. Am nächsten Morgen sah ich, dass der Fußteil meiner Matratze blutig war. Hier geruhte Fritz zu schlafen. Ich untersuchte Fritz, der mich nur anknurrte. Als er in der Sonne lag, sah ich eine große blutige klaffende Wunde an der Seite. Die Wunde war tief, die ganze Haut war eingerissen. Ich hatte die größten Sorgen, dass wir einen Tierarzt aufsuchen müssten, der Fritz zusammennäht.

Ich schmierte ihm eine starke antibiotische Salbe auf sein Fell, welche er brav in die Wunde leckte. So futterte er auch die Antibiotika. Fritz hat auf diese Salbe gespieben, aber das war mir nicht so wichtig….. Die Wunde wurde von Tag zu Tag kleiner und verheilte schließlich ganz . Zurück geblieben ist eine dicke Narbe.

Langsam machten wir uns wieder auf den Weg in Richtung Norden. Wir wollten noch einmal in Agadir einkaufen und dann weiter fahren in meine Lieblingsstadt FES.

Insgesamt sind wir bei unserer diesjährigen Marokko Reise von Wien und wieder zurück ca 13 000 km gefahren. Als wir aus der Westsahara herausfuhren haben wir unsere Wasserkanister am Dach mit billigem Diesel gefüllt.( 45 Cent)

Wir fuhren über den hohen Atlas nach Marrakesch. Diese Stadt ist mir zu touristisch und ich wollte nicht noch einmal hineinfahren.

Da wir wussten, dass wir bei Agadir keinen Schlafplatz finden würden fuhren wir langsam auf einer guten Nebenstraße und hielten Ausschau nach einem ruhigen Platz. Plötzlich kam uns ein Lastwagen entgegen , der gerade vor uns aus einer Piste herausfuhr und ein Stein der aus seinem Zwillingsreifen geschleudert wurde fiel direkt in unsere Windschutzscheibe. Wir hatten ein Loch in der Windschutzscheibe und einen Handteller großen Riss der sich ausbreitete wie ein Spinnennetz. Es blieb uns nichts anderes übrig, als die nächste Dornakazie zu suchen , um dort zu schlafen.

Wir saßen eine Weile im Auto und starrten auf das Loch .Es war Samstag Abend und wir konnten uns erst ab Montag um eine Windschutzscheibe kümmern.

Es dämmerte bereits und ich sah schon von weitem einen jungen Mann auf uns zukommen: groß, schlank und rotblond gelockt. Ich dachte das könnte ein Ire sein oder ein Engländer. Der junge Mann fragte, was wir denn auf diesem Platz neben der Straße wollten. Ich erinnerte mich an die Filmserie:“ Brennpunkt Orient“ ….. und versuchte ihn mit honigsüßen Worten und vielen höflichen Schmeicheleien zu erklären, dass wir hier schlafen müssten, weil unser Windschutzscheibe ein Loch hatte und eventuell weiter reißt.

Im Inneren habe ich gekocht , ich war müde und „angefressen“ wusste ich doch ,dass uns noch 4000 km von Wien trennten . Ich wollte auch unbedingt noch nach FES.

Der junge Mann ging ,kam aber ein paar Minuten mit seinem Onkel wieder .Der erklärte, dass wir hier nicht schlafen könnten …..weil es hier Dschins gab!!!!Nur aus Höflichkeit verschwieg ich ihm, dass mich keine Dschins an der Oase geköpft hätten… und ich keinem Dschin in der ganzen Wüste begegnet bin. Dann fiel mir ein, dass wir unter einer Dornakazie standen und dort kommen die Dschins nie hin, aus Angst sie könnten sich mit den langen spitzen Dornen die zarten Füße verletzten.

Nach langem orientalischen Geplänkel stellte sich heraus, dass der junge schöne rothaarige Mann und sein Onkel ganz in der Nähe eine Gemüsefarm besaßen und uns einlanden wollten auf ihrer Farm zu übernachten. Dort sollte es ruhig sein und vor allem sicher.

Ich hörte „Gemüsefarm“ und wurde neugierig. So fuhren wir ein Stückchen weiter. Schließlich landeten wir vor einem riesigen Strohhaufen . Hinter dem Strohhaufen lag ein angeketteter Hund der immerzu kläffte. Walter stellte ihm eine Schüssel frisches Wasser hin und seitdem sprang der Köter immerzu auf Walter hoch und schleckte ihm die Hand ab.

Kater Fritz miaute die ganze Nacht hinter der Campytüre, wollt er doch so gerne „Hund schauen“. Es war Neumond. In der Finsternis stolperte ich über das Skelett eines Schafes, welches beim Strohhaufen herumlag. Ich bin dermaßen erschrocken über das Geräusch der aneinanderklappernden Knochen, dass ich dachte mich verfolgt ein Dschin! Mit Herzklopfen bis zum Hals legte ich mich nieder und lauschte auf jedes Geräusch. Es war still.

Das Zentrum der Farm war ein tiefer Brunnen und mittels Dieselmotor wurde das kostbare Wasser 2 x täglich auf die Felder gepumpt. Auf den Gemüsefeldern lagen Schläuche mit kleinen Löchern, so dass jede Wurzel genügend Wasser bekam aber die kostbaren Früchte nicht verfaulten. Das Patent kam aus Israel .Diese Schläuche wurden in Italien aus Abfallplastik hergestellt und waren dementsprechend teuer.

Zum Bearbeiten der Gemüsefelder diente ein uralter Traktor, dessen Reifen total abgefahren waren . Ein Reifen nach dem anderen verlor Luft und da auf der Farm nicht einmal ein Kompressor war, half Walter mit unserem kleinen Kompressor aus, damit der Traktor zumindest zum Reifenschuster gefahren werden konnte. Der Traktor machte einen irren Lärm und er wurde auf einen Hügel abgestellt. Ist er nicht angesprungen, wurde er einfach den Hügel heruntergerollt als „ Starthilfe“.

Wenn man Gemüse erfolgreich verkaufen will muss es tadellos aussehen und in dem Moment geerntet werden indem der Geschmack und die Qualität am optimalsten sind.

Als wir auf der Farm waren wurden Zucchini geerntet. Zu diesem Zweck rückten die männlichen Mitglieder der gesamten Familie an. Das Gemüse wurde bereits in der Nacht von einem Lastwagen abgeholt und befand sich am nächsten Morgen am Markt.

Ich habe erfahren, dass alle Familienmitglieder in diesem Farmbereich mitarbeiten . Dazu gehörten andere Gemüseplantagen (z.B. Kartoffel oder Bohnen) und auch Rinder, Ziegen und Schafherden. Diese Tiere wurden mit den Gemüseabfällen gefüttert oder auf die Weiden gebracht.
Leben auf einer Farm in Marokko: Der rotblonde junge Mann ca 24 Jahre und sein Onkel ca 40 Jahre lebten ,als wir auf der Farm waren , dauernd dort. Das Farmhaus war ein Lehmbau und bestand nur aus einem großen Raum . Als Betten dienten Bretter die auf Transportkisten gelegt waren, darüber lag eine Art Matratze und nicht gerade als sauber zu bezeichnende Decken. In der Mitte befand sich ein selbstgezimmerter Tisch , daneben eine Probangasflasche mit einem aufgeschraubten Kocher. Die Kleider wurden auf Stricken aufgehängt , ebenso das Brot um es vor den Mäusen zu schützen. Gekocht wurde immer dasselbe, eine große Tajine. Tajine ist das Volksgericht . Auf einem großen glasierten Tonteller wurde Lammfleisch angebraten und darüber pyramidenartig Gemüse aufgeschichtet und gut gewürzt. Da drüber wurde ein hoher spitz zulaufender Ton-Deckel gestülpt und das Gericht so lange geschmort, bis das Fleisch weich war. Das fertige Gericht wurde in der großen Schüssel mitten auf den Tisch gestellt und jeder aß mit einem Stück Brot daraus. Bei solchen Mahlzeiten wurde ich nie satt, weil ich mit meinem Stückchen Weißbrot höchstens den Saft auftunken konnte. Ich musste für Walter übersetzten und in meinem dicken Wörterbuch nachschauen und stand schließlich hungrig vom Tisch auf. Im Campy richtete ich mir dann ein Brot mit unserem letzten Reservespeck.

Nach Sonnenuntergang kamen andere Familienmitglieder auf die Farm , aber ich wollte nicht in dem finsteren Lehmhaus sitzen, sondern wir saßen vor unserem Campy. Wir hatten ein ordentliches Licht . Auf der ganzen Farm gab es keinen Strom und der Fernseher im Lehmhaus und das Radio wurden von einer alten Autobatterie gespeist. Für Licht reichte der Strom nie. Unsere Solarpanelen am Dach vom Campy wurden bestaunt, aber Walter bemerkte schnell, dass den beiden Bauern und deren Familie jedes technische Verständnis und Interesse fehlte.

Was ich vermisste waren Mädchen . Die Bauern hatten einen festen Wohnsitz in der nahen Stadt . Es kam nie eine Freundin zu Besuch , nur Freunde mit ihren Mopeds. Der rothaarige junge Mann hatte sicherlich noch nie eine Beziehung mit einem Mädchen und der 40 jährige Onkel erzählte auch nicht, dass er verheiratet war.

Oft kamen Pflückerinnen von den umliegenden Farmen bei uns vorbei , aber bei Sonnenuntergang gingen die zu ihren Familien . Auf der Farm blieb nie eine. ( wieder aufgefallen sind mir die extrem schlechten Zähne der Arbeiterinnen )

Eine Verwandter, der Zucchini ernten half, erzählte, dass er auf einer Universität arabische Literatur studierte. Er studierte sein „ Hobby“ . Ich konnte mir nicht vorstellen dass man so ein Studium einmal zum Beruf machen kann.

Es war recht nett für uns auf der Farm zu bleiben. Walter kochte für alle beteiligten immerzu Kaffee, den ich den Pflückern aufs Feld brachte. ( wir hatten genügend mit ) Meine Kaffeehäferln waren immer blitz blank sauber , im Gegensatz zu dem Geschirr der Farmer.

Befremdet hat mich, als man uns um Alkohol bat. Da wir uns schon am Rückweg befanden hatten wir keinen Wein mehr aus Spanien mit , sondern nur mehr eine Flasche französischen Cognac: Marke Remmy Martin, den ich für eventuelle Magenverstimmungen aufgehoben hatte. Bereitwillig schenkte ich diese Flasche her, durften wir doch in Ruhe auf der Farm stehen. Am nächsten Tag wurde ich noch um eine Flasche Alkohol gebeten. Ich erklärte, dass wir keinen Alkohol trinken und die Cognac Flasche nur für verdorbenen Magen bestimmt war. Dann erklärte ich dass die 2 Flaschen im Campy mit Essig und Öl gefüllt waren!!!! Diese Sucht nach Alkohol von Moslems hat mich doch sehr befremdet.

Als Gastgeschenke verteilte ich noch 3 Paket Zigaretten aus Gibraltar, die letzte Jeans aus meinem Wäschepaket und den allerletzten Pullover.

Wir wollten so schnell wie möglich zu einer Windschutzscheibe kommen und drängten zum Aufbruch. Endlich erklärte sich der Onkel bereit mit uns auf einen Autofriedhof zu fahren auf der Suche nach einer Windschutzscheibe in „ Occasion“ wie er sich ausdrückte.

Der Autofriedhof war mindestens so groß wie der erste Bezirk in Wien, die Strassen dorthin ungeteert und holprig und ausgefahren.

Nach langem Suchen und unendlich vielen Kilometern auf staubigen Wegen fanden wir endlich einen „Laden“ der gebrauchte Autoteile der Firma NISSAN verkaufte. Wir hatten Glück, eine Windschutzscheibe war dabei…. ABER die Windschutzscheibe war steinalt , total zerkratzt und so alt, dass sie keinesfalls EU konform war. Uns blieb leider nichts anderes übrig als sie zu kaufen . Ich kam trotz meiner einstudierten honigsüßen Reden mit dem „Chef“ nicht zurecht und ersuchte unseren Bauern doch einen Mann ausfindig zu machen der gut Französisch oder Englisch sprach.

Der Chef der die alte Windschutzscheibe verkaufen wollte, wusste genau dass wir noch 4000 km vor uns nach Europa hatten uns versuchte so viel Geld wie möglich aus uns herauszuschinden!! Er verlangte so viel Geld, wie Walter in Wien für eine neue Scheibe bezahlt hatte. Ich dachte Walter explodiert jeden Moment vor Wut und versuchte zu vermitteln. Da kam plötzlich ein junger Mann auf mich zu , der gut genug französisch sprach. Ihm erklärte ich unsere schwierige Lage und er konnte den Preis für uns um die Hälfte herunterdrücken. Walter meinte für diesen Mist ist das noch immer zu viel, aber ich bezahlte murrend. Nächstes Problem: ich hatte nicht soooo viele Dirhan ( so heißt die marokkanische Währung) bei mir, sondern wollte in Euros zahlen. Der Verkäufer wollte keine Euros annehmen, da er anscheinend noch nie einen Euroschein gesehen hatte. So irrte ich noch in diesem Autofriedhofsviertel in sengender Sonne herum um jemanden zu finden, der mir die Euroscheine wechselte. Es nütze nichts dass ich sagte 1 € sind 11 Dirhan auf der Bank wert und er muss mir nur 10 Dirhan für einen Euro geben!! Mein netter Dolmetsch fand schließlich doch jemanden, der mir wechselte und verlangte KEINE Gegenleistung!!!

Die Windschutzscheibe hielt gerade bis Spanien, dann bekam sie einen feinen Riss!!!

Endlich konnten wir nach FES weiterfahren. Fes ist meine Lieblingsstadt

Fes ist meine Lieblingsstadt und wir blieben eine Woche dort. Wir fanden auf Anhieb unseren Parkplatz unweit der Mellah ( der ehemals jüdischen Altstadt)

Der Parkplatz kostete nur mehr die Hälfte von 2 Jahren , der Parkwächter war ein anderer.

Fes besteht heute aus 3 Altstadtteilen, die durch hohe Mauern von einander getrennte werden , aber unmittelbar nebeneinander liegen.

„Andalous“ wurde von den aus Spanien vertriebenen Mauren errichtet . Fes war zur Zeit des Mittelalters so tolerant, dass es nicht nur den spanischen Mauren einen sicheren Aufenthalt bot, sondern auch den ebenfalls aus Spanien vertriebenen Juden während der grausamen Zeit der Inquestition .Zur Zeit der Habsburgerkaiser Karl V , in dessen Reich die Sonne nicht unterging ,und Philipp II wurden Juden die sich nicht zwangskonvertieren ließen, von den allerkatholischen Kaisern öffentlich verbrannt. Während der vielen nachfolgenden Judenverfolgungen war Fes immer bereit die Flüchtenden aufzunehmen. Das heutige Judenviertel ist schön und groß. Der alte Friedhof ist gut restauriert ,ebenso die Synagoge.

Seit unserem letzten Besuch vor 2 Jahren hat sich FES fein heerausgemausert. Die Altstadt wurde unter Denkmalschutz gestellt und von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. Das brachte Geld, welches in die Stadtsanierung gesteckt werden musste. Vor 2 Jahren gab es noch viele Baustellen. Ein nicht ganz einfaches Unterfangen in einer Stadt wo die Strassen gerade einmal so breit sind, dass ein Mann neben seinem Esel gehen konnte. In den Nebenstraßen musste der Eseltreiber hinter seinem Esel gehen.

Wir hatten uns damals unendlich oft verirrt.

Jetzt gibt es Pläne mit Erläuterungen in mehreren Sprachen ( die sind zum Teil von Vandalen sehr beschädigt oder total verschmiert) In nicht erreichbarer Höhe, aber gut sichtbar, gibt es Wegweiser. 3 Wege sind gut gekennzeichnet. Der blaue Weg ist der Touristentrampelpfad und führt zu den „Tannarien“ Das sind die mittelalterlichen Gerbereien und Färbereien die noch heute mit den gleichen Methoden und Naturfarben arbeiten .Auf dem blauen Weg schleussen die Führer im Eiltempo ihre Touristen durch und in Geschäfte und Restaurants hinein . Je mehr Leute sie anschleppen, um so mehr verdienen sie.

Der zweite Weg ist rot bezeichnet und das ist die alte Basarstraße. Hier gab es kaum Touristen-Schnick-Schnack, sondern Lebensmittel und Gebrauchsgüter. Alte Handwerksbetriebe haben sich hier niedergelassen. So entdeckte ich einen Hornschnitzer, eine Drechslerei, Stickereien die Hochzeitskleider aufwändig verzierten. Hier fand ich erstmals in Marokko einen Ziegenkäse. Ich habe gleich 1 kg leicht gesalzenen um 5 € gekauft . Das war eine willkommene Bereicherung für unseren Speiseplan.

Ein dritter Weg ist grün und der ist fern von irgendwelchen Touristenströmen und mein Lieblingsweg. Hier findet man das ursprüngliche mittelalterliche Fes mit seinen kleinen Gässchen, seinem Winkelwerk, den hohen Häusern die kein Licht auf die Gässchen durchlassen , den uralten beschlagenen Holztüren und den winzigen Fenstern in den Gebäuden.

Wir haben uns diesmal nie verirrt, erstens wussten wir, dass wenn es bergauf ging, dann was ein Stadttor nicht mehr weit und dann nahm Walter sein Satellitennavigationsgerät mit. Am Schluss kannten wir unsere Wege schon auswendig.

Fes ist freundlicher geworden. Man durfte auch als Frau in die Grabmoschee hineinschauen wo der Lokalheilige begraben liegt. ( Märtyrer heißt das im Islam , weil es keine Heiligenverehrung gibt)Ich sah erstmals eine frisch renovierte Koranschule aus dem 16. Jahrhundert. In einer Koranschule lernten die Mullahs den Sing-Sang ihrer Predigten . Man

musste Eintritt zahlen , das ist für uns selbstverständlich. Hingegen ist bei uns nicht üblich, dass man das Geld als Museumswächter für sich einsteckt, indem man keine Eintrittskarte ausgibt.

Es gab eine Reihe Museen, die in den alten Herrschaftshäusern untergebracht waren. Die ausgestellten Gegenstände waren ähnlich: alte bunt bemalte Holztüren, Kinderschaukeln, Musikinstrumente, Schmuck, Gebrauchsgegenstände, Werkzeugen ….. Das interessante war das herrschaftliche Wohnhaus. Alle alten Gebäude hatten einen kühlen Innenhof mit einem Brunnen und einem großen Wasserbecken. Fes wird von einem Fluss, welcher durchfließt mit Wasser versorgt. Dieser Fluss war auch die Bedingung, dass sich eine so große Gerberei und Färberei schon im Mittelalter ansiedeln konnte.

Leider hat sich der „Zirkus“ um die Gerbereien nicht verändert. Man konnte von oben in die Färbereien schauen, aber da musste man sich durch ein paar Stockwerke von Ledergeschäften durchzwängen. Wir wurden von Verkäufern regelrecht belagert, die uns mit einem unerträglichen Wortschwall ihre Lederwaren aufschwatzen wollen. Wir hatten keine Minute Ruhe um uns die Färberein anzuschauen, obwohl der Verkäufer die einem immer wieder zusicherte!!! Man brauchte wirklich gute Nerven um das auszuhalten.

Vor 2 Jahren war ich in den Färberein drinnen. Diesmal war das nicht möglich weil an jeder Ecke ein Führer stand, der für viel Geld Erklärungen abgeben wollte. Ich sagte mit gefletschten Zähnen so höflich wie ich konnte : ich bin an keinem Führer interessiert, ich führe mich immer selber, ich suche nur persönlichen Kontakt mit den Arbeitern.

In FES wurden wir dauernd angequatscht von einem der etwas verkaufen wollte oder etwas erklären , oder einem fragte ob man Hunger hatte ….. sein Onkel hätte das beste Restaurant von Fes. Ich zimmerte mir schon ein paar entwaffnete Sätze zurecht bevor ich in die Medina ging: z..B:“ich bin kein Tourist, sondern ein Bewohner, ich bin Diplomat, ich war schon 10 x in Fes und kenne mich sehr gut aus.“ Irgendwann haben es dann die „Aufdringlichen“ kapiert und mich nicht mehr angesprochen. Man muss sich schon sehr im Griff haben, dass man bei so viel Aufdringlichkeit nicht die Nerven verliert.

Wir hatten auch großes Glück. Am „grünen“ Weg, fernab von den Touristentrubel hatte Walter plötzlich starke Schmerzen in seinem Fuß. Ein „ Bankerl“ vor einem Haus bot sich an, Walter zog seinen Schuh aus und ich massierte ihm den Fuß. Ein Marokkaner kam aus dem Haus „geschlapft“ und schaute nach dem Rechten. Wie ich es in der Filmserie: „Brennpunkt Orient“ gelernt hatte , entschuldigte ich mich mit zuckersüßen Worten, dass ich das Bankerl benützte und erklärte dass Walter Schmerzen hatte. Der Mann hörte mir geduldig zu und so kamen wir ins Gespräch. Nach einer Weile ging es Walter besser und der Mann fragte mich, ob er uns den Palast zeigen dürfte. Das Eingangstor war so klein und unbedeutend, dass ich nie ein größeres Haus, geschweige denn einen Palast dahinter vermutet hätte. Es stellte sich heraus, dass hier die Hochschule für Restauratoren untergebracht war. Der Palast ist der einzige, der noch nie restauriert wurde und bis heute in seinem Originalzustand geblieben ist. Der Vater des jetzigen Königs hatte hier gewohnt und seine Gäste empfangen, wenn er in Fes weilte. Ich war sprachlos: Der Palast erstreckte sich über 3 Ebenen. Oben befand sich ein riesiger Innenhof, ebenfalls mit Brunnen und Wasserbecken . Von dort führten bunt bemalte Holztore zu den Appartements, die um den Hof lagen. Auf der unteren Ebene befand sich ein wunderschöner Garten mit Dattelpalmen, Orangenbäumen, Blumen , einem Wasserbecken und einem Springbrunnen. Der Wandelgang war mit Blätterlauben überdacht, die verzierte Säulen trugen.Man hatte einen Ausblick über die ganze Stadt und sah bis zu den Bergen, die Fes umschlossen. .Hier war eine Oase mitten in einer turbulenten Stadt .

Der Thronsaal hatte eine bunt bemalte kuppelförmige Decke aus Holz. Dieser Palast war wohl der schönste, den ich in Marokko gesehen hatte, ich war begeistert.

Unser nächstes ungewöhnliches Erlebnis hatten wir in FES:

Der Weg von unserem Parkplatz zur Medina war immer derselbe. Es gibt nur 2 nebeneinanderliegende Tore, die in die alte Medina führten.

An einer Stadtmauer sah ich einen „freien“ Friseur. Das heißt folgendes: Ein Tischchen stand an der Mauer, fein abgedeckt mit einem weißen Geschirrtuch. Da drauf stand ein Spiegel der nett gerahmt war. Davor stand ein Sessel. Zunächst rätselten wir was denn dort verkauft wird. Nach einiger Zeit sahen wir, dass es sich um einen Friseur handelte, weil sich ein Mann gerade die Haare schneiden ließ.

Diesen Haarkünstler wollte ich ausprobieren und daher schlug ich Walter vor sich am nächsten Tag die Haare schneiden zu lassen.

Der Sessel vor dem Tischchen war besetzt und der Friseur bat uns etwas zu warten, weil er müsse noch einen ZAHN ZIEHEN!!!!! Ich verrenkte mir den Hals um ja alles genau beobachten zu können: Der Friseur versuchte schon mit einer Zange den Zahn zu ziehen, aber der Patient sagte, dass es noch zu schmerzhaft war. Der Friseur setzte noch eine Spritze zur lokalen Betäubung. Dann wurde der Zahn mit einem Ruck entfernt. Der Patient spuckte das Blut auf den Boden aus und schien mit der Behandlung zufrieden zu sein. Er musste 6 € bezahlen , hatte nur 4 € bei sich und musste den Rest von seinem Freund ausleihen…..

Der Friseur gab seinem Patienten noch ein paar gute Ratschläge und anscheinend eine blutstillende Watte in die Lücke.

Als der Mann wegging, kehrte der Frisör mit einem Besen aus Palmblättern das Blut weg. Dann spülte er sich die Hände mit dem Wasser aus einer 2 Liter Plastikflasche ab.

Walter setzte sich auf den Sessel und bekam einen wunderbaren Messerhaarschnitt um 2,50 €. Ich habe ganz genau geschaut: der Friseur hatte eine neue Rasierklinge in sein Messer gespannt……ich hoffte zutiefst, dass die Spritze für die Lokalanaestesie für das Zahnziehen auch eine Einmalspritze war.

Zurück zu unserem Parkplatz in FES.

Ich hatte wie ausgemacht jeden Morgen bezahlt und hatte noch reichlich Zigaretten ausgeteilt und als Gastgeschenk eine Packung Tee gestiftet.

Hinter dem Parkplatz befand sich ein kleines Sägewerk und ich wusste dass sich dort ein Wasserhahn befand aus dem tatsächlich Wasser kam.

Ich schickte Walter vor und er verteilte unter den Arbeitern Zigaretten. Ich füllte in der Zwischenzeit meine Nutzwasserkanister. Als wir das nächste mal Wasser holten wurden mir den Kanister schon zum Auto getragen.

Am Tag bevor wir wegfahren wollten hat ein Vandale den Stecker der Campy mit dem kleinen Anhänger verband gestohlen. Er hatte einfach das Kabel mit einem Stein so lange bearbeitet, bis er es auseinanderreißen konnte. Für uns war das fatal, weil wir hatten keine Lichter mehr am Anhänger und waren schon am Sprung nach Europa.

Wir bemühten uns um einen Stecker, fanden einen , aber der hätte 35 € gekostet. In Österreich kostet so ein Stecker in jedem Bauhaus 7 €. Der Verkäufer hatte unsere Situation schamlos zu seinem Vorteil ausnützen wollen. Wir verzichteten und fuhren sehr verdrossen und ohne Lichter am Anhänger zurück nach Europa.

Auf dem Rückweg durch Spanien fuhren wir wie immer durch den feudalen Luxusort Marbella. Ein Hotel klebt am nächsten. Der Besucher der sich Marbella als Urlaubsort oder Alterssitz leisten kann kauft in Boutiquenstraßen ein und betreibt regelmäßig auf den vielen Golfplätzen Sport. Dementsprechend luxuriös sind die Strände. In einer Bucht mit zauberhaftem Strand entdeckte ich einen Wohnanhänger von einem Holländer. Der Besitzer war anscheinend mit seinem Auto auf Einkaufstour oder golfspielen. Ein Abschleppwagen kam und hat den Wohnanhänger einfach aufgeladen ….

Eine Antwort zu “Sahara-Sahara (Marokko im Jänner, Februar, März 2007)”

  1. Eva-Maria Februar 4, 2012 um 2:13 pm #

    Ein wunderschöner Reisebericht, liebe Dorothea! Ich habe ihn grne gelesen. Hast du noch mehr Reiseberichte???

    Weiterhin gute Fahrt wünscht Eva-Maria

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